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Stichworte: Wenn in der Abluftreinigung von Waschtürmen ein giftiger Stoff (< 2% Flusssäure) enthalten ist, zählt das Gewicht der Waschflüssigkeit dann zu den Gefahrstoffmengen in der StörfallV?

Frage:

Wenn in der Abluftreinigung in zwei Waschtürmen ein giftiger Stoff (< 2% Flusssäure) enthalten ist, zählt das Gewicht der Waschflüssigkeit dann zu den Gefahrstoffmengen in der StörfallV? Auch wenn es sich um kein Produkt handelt?
Wie wird lt. GHS jetzt "giftig" und "sehr giftig" am Beispiel Flusssäure definiert?

Antwort :

Flusssäure wird in einem Konzentrationsbereich von 1%<=C<7%1) als giftig eingestuft und fällt damit unter die Stoffnummer 2 des Anhangs I zur Störfall-Verordnung - 12. BimSchV. Bei der Ermittlung der Menge an Störfallstoffen wird die Menge der 2%-igen Flusssäure berücksichtigt. Es spielt hierbei auch keine Rolle, ob es sich bei der Waschflüssigkeit in den Wäschern nicht um ein Produkt sondern um Abfall handelt. Dies wird explizit im Anhang I der Störfallverordnung, "Anwendbarkeit der Verordnung", unter Punkt 8 festgehalten.

1) EU-VO 1272/2008 (CLP) Anhang VI Tab. 3.2 (67/548/EWG)

Mit der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung) wird das von den Vereinten Nationen (UN) entwickelte Global Harmonisierte System (GHS) seit 20.01.2009 in der Europäischen Union eingeführt. Dabei gelten Überfristen für Stoffe bis 01.12.2010 und für Gemische (bisher Zubereitungen) bis 01.06.2015, spätestens ab deren Ablauf die Einstufung und Kennzeichnung vom bisher gültigen EU-System auf das EU-GHS bzw. CLP-System umgestellt werden muss.

Eintrag im bisherigen EU-System nach Anhang I der Stoffrichtlinie 67/548/EWG (DSD) bzw. Anhang VI Tabelle 3.2 der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) für Flusssäure / Hydrofluoric acid …% / Index-Nr. 009-003-00-1 / EG-Nr. 231-634-8 / CAS-Nr. 7664-39-3:

EG-Einstufung: T+; R26/27/28 C; R35 EG-Kennzeichn.: T+, C; R26-27-28-35; S (1/2)-7/9-26-36/37-45

Konzentrationsgrenzwerte: ≥7%: C; R35 / <7%-≥1%: C; R34 / <1%-≥0,1%: Xi; R36

≥7%: T+; R26/27/28 / <7%-≥1%: T; R23/34/25

<1%-≥0,1%: Xn; R20/21/22

Eintrag im neuen EU-GHS nach Anhang VI Tabelle 3.1 der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) besteht für Flusssäure / Hydrofluoric acid …% / Index-Nr. 009-003-00-1 / EG-Nr. 231-634-8 / CAS-Nr. 7664-39-3:

CLP-Einstuf.: Acute Tox.2; H330 (Einatmen / inhalativ) Acute Tox.1; H310 (Hautkontakt / dermal)

Acute Tox.2; H300 (Verschlucken / oral) Skin Corr.1A; H314

CLP-Kennz.: GHS06 GHS05 Danger; H330 H310 H300 H314;

Konz.gr.w.: ≥7%: Skin.Corr.1A; H314 / <7%-≥1%: Skin.Corr.1B; H314 / <1%-≥0,1%: Eye.Irrit.2; H319

≥10%: Acute Tox.2; H330 Acute Tox.1; H310 Acute Tox.2; H300

<10%-≥4%: Acute Tox.3; H331 Acute Tox.1; H310 Acute Tox.3; H301

<4%-≥3%: Acute Tox.4; H332 Acute Tox.2; H310 Acute Tox.3; H301

<3%-≥1%: Acute Tox.4; H332 Acute Tox.3; H311 Acute Tox.4; H302

<1%-≥0,5%: Acute Tox.4; H332 Acute Tox.3; H311 Acute Tox.4; H302

<0,5%-≥0,3%: Acute Tox.4; H312 Acute Tox.4; H302

Oben genannte Grenzkonzentrationen für akute Toxizität wurden aus ATE-Werten mit der Additivitäts-Formel nach Ziffer 3.1.3.6.1 im Anhang I Teil 2 der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) berechnet.

In der bisher gültigen 12. BImSchV (Störfallverordnung), die auf der Grundlage der Richtlinie 96/82/EG (Seveso-II-Richtlinie) erlassen wurde, sind in der Stoffliste im Anhang I folgende Mengenschwellen zur Anwendung auf unterschiedlich konzentrierte Flusssäure zu finden:

≥7%: Nr. 1: Sehr giftig: § 1 Abs. 1 Satz 1: 5.000 kg § 1 Abs. 1 Satz 2: 20.000 kg

<7%-≥1%: Nr. 2: Giftig: § 1 Abs. 1 Satz 1: 50.000 kg § 1 Abs. 1 Satz 2: 200.000 kg

Spätestens nach Abschluss der Übergangsfristen ab 01.06.2015 müssen alle auf chemikalienrechtlicher Einstufung und Kennzeichnung basierende Regelwerke vom alten EU-System auf das neue CLP-System umgestellt werden. Mit der neuen Richtlinie 2012/18/EU (Seveso-III-Richtline) wird die bisher gültige Richtlinie 96/82/EG (Seveso-II-Richtline) aufgehoben. Die EU-Mitgliedstaaten sind daher gefordert, die Richtlinie anzuwenden und die auf der Richtlinie basierenden Regelungen bis zum 31.05.2015 anzupassen und ab 01.06.2015 anzuwenden. Daher ist spätestens ab Juni 2015 mit Erlass und Inkrafttreten einer novellierten Störfallverordnung auf Basis der GHS-Einstufung und Kennzeichnung zu rechnen. Die in der Stoffliste im Anhang I der gültigen Seveso-III-Richtlinie werden wahrscheinlich unverändert wie folgt in die neue StörfallV übernommen:

≥4%: H1: Akut toxisch Gefahrenkategorie 1, alle Expositionswege (H300/310/330): 5 Tonnen / 20 Tonnen

<4%-≥3%: H2: Akut toxisch Gefahrenkategorie 2, alle Expositionswege (H300/310/330): 50 To. / 200 To.

<10%-≥4%: H2: Akut toxisch Gefahrenkategorie 3, inhalativer Expositionsweg (H331): 50 To. / 200 To.

Das bedeutet, dass sich bei flusssäurehaltigen wässrigen Lösungen die Konzentrationsbereiche, durch welche die Mengenschwellen ausgelöst werden, geändert haben. Bereits ab 4% wären dann die niedrigen, aber erst ab 3% die höheren Mengenschwellen zu beachten. Hinsichtlich der Fragestellung bedeutet diese Änderung, dass die genannte Waschflüssigkeit mit <2% Flusssäure wahrscheinlich nicht mehr in den Anwendungsbereich der ab 1.6.2015 zur Novellierung erwarteten Störfallverordnung fallen wird.




Dialognummer: 18818
Stand: 25.06.2013

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