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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verlauf, Abmessung und Anzahl von Fluchtwegen
Stichworte: Ist auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung eine Unterschreitung der in ASR A2.3 geforderten Fluchtwegbreite für den zweiten Fluchtweg möglich?

Frage:

Bedingt durch einen umfangreichen Neu-/Umbau in einem ausschließlich verwaltungstechnisch genutztem Verlagshauptgebäude sind zwei Fluchttüren eines zweiten Fluchtweges (Benutzung über 20 Personen) nicht wie die ASR A 2.3 fordert, mit einer Mindestbreite von 1,20 m ausführbar, sondern nur 0,97 bzw. 0,98 m breit, da diese Türen Bestandteil eines Altbaus sind, der in den Neubau integriert wurde und ein nachträglicher Einbau mindestens 1,20 breiter Fluchttüren bautechnisch nicht möglich ist.
Alle Türen des ersten Fluchtweges sind, wie gefordert, mindestens 1,20 m breit.

Bei einer landesbauordentlichen Begutachtung wurde hier deshalb kein Defizit festgestellt.

Das betreuende Brandschutzbüro ist jedoch der Meinung, dass eine Mindestbreite von 1,20 m bei über 20 Personen bei allen Fluchttüren, auch für den zweiten Rettungsweg gilt.

Grundlage hierfür wäre die Forderung der ASR A 2.3, und diese nicht nach erstem und zweitem Fluchtweg unterscheidet.

Die in der ASR A 2.3 mögliche Einschränkung der Türbreite um max. 0,15 m ist bei beiden Fluchttüren des zweiten Rettungsweges nicht gegeben.

Der betreute Verlag fragt mich nun an, ob hier auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung eine betriebliche Ausnahme für die Unterschreitung der beiden Fluchttürbreiten des zweiten Rettungsweges möglich ist oder nicht?

Antwort :

Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht sind die Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge der Arbeitsstättenverordnung -ArbStättV- sowie der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht - und Rettungsplan" zu entnehmen.

Grundsätzlich sind die Anforderungen der Arbeitsstättenregeln einzuhalten, da diese den Stand der Technik entsprechend § 3a Arbeitsstättenverordnung repräsentieren.

Bei Einhaltung der im § 3a ArbStättV genannten Regeln und Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass die in der Verordnung gestellten Anforderungen diesbezüglich erfüllt sind. Wendet der Arbeitgeber die Regeln und Erkenntnisse nicht an, muss er durch andere Maßnahmen die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz der Beschäftigten erreichen.

Die ArbStättV trifft selber keine Aussage zum zweiten Fluchtweg.

Die  ASR A2.3 führt unter Punkt 4 dazu aus, dass sich das Erfordernis eines zweiten Fluchtweges aus der  Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung der bei dem jeweiligen Aufenthaltsort bzw. Arbeitsplatz vorliegenden speziellen Verhältnisse ergibt. 

Ist ein Weg als Fluchtweg ausgewiesen, muss er auch die für den Fluchtweg geltende Anforderungen erfüllen.


Fazit:
Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dass ein zweiter Fluchtweg erforderlich ist, dann sind die Anforderungen aus der ASR 2.3 an Fluchtwege einzuhalten, da in der ASR 2.3 keine Unterscheidung zwischen ersten und zweiten Fluchtweg getroffen wird. Bei Erreichen der gleichen Sicherheit kann von den Vorgaben der ASR abgewichen werden. Diese Abweichungen sind im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung festzuhalten.

Wir empfehlen Ihnen die Problematik im Rahmen eines Ortstermins, unter Beteiligung der zuständigen Arbeitsschutzbehörde und des Brandschutzbüros zu besprechen.



Dialognummer: 18618
Stand: 28.05.2013

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