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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen > Lagerung von Gefahrstoffen
Stichworte: Wie ist bzgl. der TRGS 510 unter "Verpackungen, die eine Entzündung verhindern" zu verstehen? Sind Sicherheitsschränke ohne Absaugung grundsätzlich nicht für brennbare Gefahrstoffe mit einer Zündtemperatur < 100°C geeignet?

Frage:

Ich habe ein Frage zur TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“. In Anlage 3 Nummer 2 Absatz 3 wird darauf eingegangen, dass bei brennbaren Flüssigkeiten mit einer Zündtemperatur < 100 °C Sicherheitsschränke nicht in Arbeitsräumen gelagert werden dürfen, es sei denn, die Schränke werden belüftet und die Gefahrstoffe werden in Verpackungen gelagert, die eine Entzündung verhindern.
Durch die Formulierungen in der TRGS ergeben sich bei mir zwei Fragen:

- Bedeutet dies, dass Sicherheitsschränke ohne Absaugung grundsätzlich nicht für brennbare Gefahrstoffe < 100 °C geeignet sind, selbst wenn diese vom Hersteller als geeignet gekennzeichnet werden?
- Können Sie die Aussage „in Verpackungen gelagert, die eine Entzündung verhindern.“ konkretisieren? Sind mit dieser Formulierung Umgebungsmaßnahmen wie beispielsweise Inertisierung des Schrankes o.ä. gemeint oder beziehen sich die Maßnahmen explizit auf die Verpackungen? Sollte dies der Fall sein, bitte ich Beispiele zu nennen, wie eine Entzündung durch Verpackungen verhindert werden kann.

Antwort :

Frage 1:
Grundsätzlich ist bei Tätigkeiten von Arbeitnehmern mit Gefahrstoffen eine Gefährdungsbeurteilung (GBU) nach § 6 Gefahrstoffverordnung - GefStoffV - zu erstelllen. Darin sind auch die von Ihnen dargestellte Lagerung und die daraus resultierenden Gefahren zu betrachten. Grundlage für die Gefahrenermittlung sind Technische Regeln, wie z. B. die TRGS 510, die bestimmte Schutzmaßnahmen festlegen oder Regelungen dazu treffen. Durch das Instrument der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie, wenn Sie von den dort genannten Maßnahmen abweichen wollen, durch andere ebenso wirksame Schutzmaßnahmen, die in der GBU eindeutig genannt werden müssen, darlegen, dass die Sicherheit der dort Beschäftigten gleichwertig garantiert werden kann. Deshalb ist eine grundsätzliche Nichteignung für alle Gefahrstoffe so einfach nicht darstellbar. Aufgrund des Gefahrstoffverzeichnisses muss der Inhalt des Schrankes bekannt sein. Dieser muss als gesamtes Lagervolumen, bei verschiedenen Stoffen bzw. Gemischen zusammen betrachtet werden. Es ist die entzündbare Lösemitteldampfmenge zu quantifizieren, die in dem Schrank im Brandfall freigesetzt wird, wenn keine Absaugung vorhanden ist. Ergibt diese Betrachtung dann, dass eine Gefahr bei fehlender Lüftung sicher ausgeschlossen werden kann, kann der Schrank ohne Lüftung betrieben werden, wie z. B. 600 l destilliertes Wasser und ein Gefäß mit 4 ml einer brennbaren Flüssigkeit < 100°C. In allen anderen Fällen ist die Lüftung zu installieren, es sei denn, ebenso wirksame Maßnahmen belegen, dass auch ohne Lüftung gelagert werden kann, wie z. B. durch ein Gutachten eines Sachverständigen. Im Falle eines Brandschadens kann dies von großer Bedeutung sein. Der Schrank befindet sich in der Regel in einem Arbeitsraum, wie z. B. einem Labor und nicht in einem Lager. Dort macht er keinen Sinn.

Frage 2:
Diese Angaben beziehen sich explizit auf die Verpackung. Art und Anforderungen an Verpackungen für brennbare Flüssigkeiten sind z. B. den gefahrgutrechtichen Transportbestimmungen zu entnehmen. Deutlich wird dies, wenn man Kunststoffgebinde, Glasflaschen oder Glasbehälter mit Metallbehältern mit Metallverschlüssen vergleicht. Hier stellt man fest, das bei einem Brand die Metallbehälter in einem Sicherheitschrank einer Hitzeeinwirkung erheblich länger standhalten als dies Glas- oder Kunststoffbehälter tun.

Für alle Fälle gilt, der Sicherheitsschrank soll die Brandlast in einem Arbeitsraum ausreichend veringern, damit im Brandfall genug Zeit bleibt, dass Menschen gefahrlos den Raum verlassen können und Feuerwehrleuten ausreichend Zeit bleibt, Umgebungsbrände zu löschen bzw. den Sicherheitschrank zu kühlen.


Dialognummer: 17983
Stand: 20.02.2013

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