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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Reparaturen, Wartungsarbeiten
Stichworte: Welche Sicherheitsvorkehrungen bei der Gerätewartung beim Kunden gibt es, wenn keine Trenntransformatoren eingesetzt und keine Laserschutzbereiche eingerichtet werden können?

Frage:

Im Rahmen des Kundenservice müssen unsere Techniker deutschland-, europa- und weltweit unsere Geräte in Laboren des Kunden warten und ggf. reparieren.

Bei bestimmten Arbeiten ist es erforderlich, die äußere Gerätehülle zu öffnen und bei eingeschaltetem Gerät Änderungen im Inneren des Geräts vornehmen zu können. Zwei potentielle Gefährdungen bestehen dabei:

1. eine Zugriffsmöglichkeit auf die Netzspannungsversorgung (bei Kontakt elektrischer Schlag)
2. teilweise (in Abhängigkeit vom Gerätetyp) eine Zugriffsmöglichkeit auf Laser der Klasse 3B. Das Gerät ist im Normalfall ein Klasse 1 Gerät.

Ähnliche Arbeiten bei uns im Hause werden entsprechend abgesichert durch die Durchführung unter galvanischer Trennung (Einsatz eines Trenntransformators), der Verwendung isolierender Werkzeuge und Einhaltung der organisatorischen Vorgaben für die Arbeit unter Spannung. Die Lasersicherheit wird gewährleistet durch eine Durchführung in Laserschutzbereichen.

Problematisch erscheint jedoch eine Durchführung vor Ort beim Kunden. Hier können keine schweren Trenntransformatoren mitgenommen werden (alleine tätige Service - Mitarbeiter mit kurzfristigen Dispositionszeiten) und abgetrennte Laserschutzbereiche stehen ebenfalls nicht zur Verfügung.

Gibt es Ideen für Alternativen einer gleichwertige Absicherung dieser mobilen Tätigkeit?

Antwort :

Fragestellung 1 (Arbeiten an spannungsführenden Teilen):
Das Thema "Arbeiten unter Spannung" wird recht ausführlich mit vielen Hilfestellungen in der Regel BGR A3 "Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln" beschrieben. Zwar ist diese Schrift eher auf elektrische Anlagen ausgerichtet und findet gemäß Abschnitt 1.2 auch keine Anwendung auf Funktionsprüfungen an Geräten und Schaltungen, doch kann man sich an deren Inhalten orientieren.
Grundsätzlich darf gemäß § 6 der Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" an aktiven Teilen nicht gearbeitet werden. Machen bestimmte zwingende Gründe dies jedoch erforderlich, sind unter Anwendung bestimmter Schutzmaßnahmen nach § 7 UVV A3 solche Arbeiten im begründeten Einzelfall möglich. Zwingende Gründe wären nach den Durchführungsanweisungen zu diesem Paragraphen u. a., wenn durch Wegfall der Spannung z. B. eine Gefährdung von Leben und Gesundheit von Personen zu befürchten ist oder in Betrieben ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen würde. Ob jedoch im Vergleich hierzu das Gewicht der Trenntransformatoren als zwingender Grund für den Verzicht dieser Schutzmaßnahme anerkannt werden kann, steht zu bezweifeln.
In Ihrem Fall wäre eventuell eine Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen möglich, z. B. der Betrieb des geöffneten Gerätes über einen mobilen Personen-Schutzschalter (z. B. Typ PRCD-S) in Kombination mit isoliertem Werkzeug und isolierender PSA (Schutzhandschuhen, isolierender Kleidung etc.) sowie ggf. isolierenden Unterlagen.
Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist in Abhängigkeit der zu erwartenden Gefährdungen (z. B. elektrische Durchströmung, Lichtbogen,...) auszuwählen.
In jedem Fall ist das Procedere in Arbeitsanweisungen verbindlich festzulegen sowie das Servicepersonal entsprechend zu qualifizieren (siehe BGR A3).
Ob und welche Schutzmaßnahmen in Kombination einen gleichwertigen Schutz darstellen können, kann an dieser Stelle in Unkenntnis der konkreten Situation nicht beantwortet werden. Dies sollte eher mit dem Aufsichtsdienst (Präventionsabteilung) des zuständigen Unfallversicherungsträgers abgestimmt werden.

Fragestellung 2 (Potentielle Gefährdung durch Laserstrahlung):
Maßgebliche Rechtsvorschrift ist die "Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung (Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung - OStrV)".
Weitere Informationen sind z. B. in der Unfallverhütungsvorschrift (UVV) BGV B2 "Laserstrahlung" und den zugehörigen Durchführungsanweisungen BGV B2-DA sowie der Informationsschrift BGI 850-0 "Sicheres Arbeiten in Laboratorien" enthalten.

Letztere führt zum Thema Laserstrahlung in Abschnitt 5.2.15 folgendes aus:

Kennzeichnung und Betrieb
Alle Laser müssen entsprechend ihrer Klasse gekennzeichnet werden. Nur bei Klasse 1 und 1M kann die Kennzeichnung entfallen, wenn der Hersteller Hinweise in der Benutzerinformation aufgenommen hat.
Bei Lasern müssen bei offenem Strahlengang je nach Klasse des Lasers Schutzmaßnahmen gegen direkte Einwirkung und gegen Einwirkung durch Streulicht getroffen werden. Laser der Klassen 2, 2M und 3A dürfen nur betrieben werden, wenn der Strahlverlauf deutlich und dauerhaft gekennzeichnet ist. Die Kennzeichnung von Laserbereichen mit Lasern ab der Klasse 2 erfolgt mit dem Warnzeichen W010 „Warnung vor Laserstrahl“. Laser der Klassen 3B, 3R und 4 dürfen nur unter zusätzlichen Schutzmaßnahmen betrieben werden. Hierzu zählen Zugangsbeschränkungen und Abschirmung der Laserstrahlen. Das Tragen von Laserschutzbrillen kann erforderlich sein, reflektierende Gegenstände dürfen bei solchen Arbeiten nicht unbeabsichtigt in den Strahlengang gelangen können, insbesondere Schmuck muss abgelegt werden.
Der Betrieb von Lasern der Klasse 3B, 3R und 4 ist dem zuständigen Unfallversicherungsträger und der zuständigen Behörde anzuzeigen. Vor Inbetriebnahme von Lasern der Klasse 3B, 3R und 4 ist ein Laserschutzbeauftragter schriftlich zu bestellen. Die Versicherten sind zu unterweisen.

Laserstrahlung kann eine hohe Gefährdung für Augen und Haut darstellen. Darüber hinaus kann Laserlicht mit hoher Energie im Labor chemische Reaktionen und physikalische Prozesse auslösen und gegebenenfalls zu Materialzerstörungen führen. Außerdem kann Laserlicht eine Zündquelle darstellen.
Laser werden in die Klassen 1, 1M, 2, 2M, 3M, 3R und 4 eingeteilt (siehe hierzu BGV/GUV-V B2 „Laserstrahlung“ Durchführungsanweisung zu § 2 Abs. 3 nach neuer DIN EN 60825-1 (VDE 0837 Teil 1) Ausgabe Oktober 2003) (23). Laser, die vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen worden sind, können auch nach der alten Nomenklatur bezeichnet werden: 1, 2, 3A, 3B und 4 (nach alter DIN EN 60825-1 Ausgabe März 1997).
Laboratorien, in denen Laser der Klasse 3B, 3R oder 4 betrieben werden, dürfen nur von entsprechend unterwiesenem Personal betreten werden. Dies kann durch technische Maßnahmen, wie beispielsweise von außen nicht ohne Schlüssel oder Code-Karten zu öffnende Türen, erreicht werden.
Nach dem Betreten von Laserlaboratorien mit Lasern der Klasse 3R, 3B oder 4 sollte eine Schleuse vorhanden sein, in der keine gefährliche Strahlung vorhanden ist und in der die persönliche Schutzausrüstung angelegt werden kann.
Die Laserstrahlung ist in Rohren zu führen oder einzuhausen, im Bereich des Strahlengangs sind reflektierende Oberflächen zu vermeiden.
In Absprache mit dem Laserschutzbeauftragten sind Laserschutzbrillen, Schutzkleidung oder Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen und zu benutzen.



Dialognummer: 17911
Stand: 13.02.2013

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