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Nutzerpfad: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Konsequenzen aus Befunden
Stichworte: Was ist bei Feststellung einer Sehschwäche bei einem Fahrer eines Gabelstaplers zu tun?

Frage:

Bei einem 30-jährigen Arbeiter in einer Firma für Quecksilber-Recycling fiel bei einer Kontroll-Untersuchung nach G 25 (FSÜ), die aufgrund der Tätigkeit als Gabelstaplerfahrer durchgeführt wird, beim Sehtest mit dem Gerät Titmus 2A eine deutliche Schwäche beim Stereo-Sehen auf. Bei der Voruntersuchung 2000 wurden keine gesundheitlichen Bedenken geäußert (anderes Test-Gerät: 2 von 3 Tests richtig). Bei dem Arbeiter ist seit Kindheit ein Strabismus bekannt, seit 7 Jahren fährt er zeitweilig und bisher unfallfrei Gabelstapler. Was íst nun zu tun?

1a) Zusätzliches augenärztliches Attest?
1b) Benötigt der Augenarzt dann eine Ermächtigung?

2a) Sind gesundheitliche Bedenken zu äußern?
2b) Oder gesundheitliche Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen, da er sich langjährig in der Ausübung der Tätigkeit bewährt hat?

Anmerkung: Da es sich um einen kleinen Betrieb handelt, ist bei gesundheitlichen Bedenken u.U. der Verlust des Arbeitsplatzes zu befürchten.


Antwort :

Die Unfallverhütungsvorschrift "Flurförderzeuge" (BGV D27) macht konkrete Aussagen über Personen, die als Gabelstaplerfahrer eingesetzt werden dürfen:

Gabelstaplerfahrer müssen
· mindestens 18 Jahre alt sein,
· geistig und körperlich geeignet sein,
· theoretisch und praktisch ausgebildet sein,
· eine Fahrprüfung erfolgreich abgelegt haben und
· vom Unternehmer mit der Führung des Staplers schriftlich beauftragt sein
(innerbetrieblicher Fahrausweis).

Diese Anforderungen werden mit dem berufsgenossenschaftlichen Lehrbrief BGI 545 Gabelstaplerfahrer (bisher ZH 1/92) konkretisiert.

Die Eignung zum Fahren eines Gabelstaplers kann vom ermächtigten Arzt nach den Berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G25 "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten" festgestellt werden. Nach den Berufsgenossenschaftlichen Informationen BGI 504-25 (ZH 1/600.25) - Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten" – sind die Vorsorgeuntersuchungen von einem ermächtigten Arzt durchzuführen.

Mitarbeiter, bei denen ein mangelhaftes Sehvermögen festgestellt wird, müssen von einem ermächtigten Augenarzt untersucht werden, der über notwendige spezielle Sehhilfen zu entscheiden hat.

Der die Eignungsuntersuchung durchführende ermächtigte Arzt muss unter Berücksichtigung des Ergebnisses der augenärztlichen Untersuchung feststellen, ob die Eignung zum Führen des Gabelstaplers vorliegt oder unter bestimmten Voraussetzungen vorliegt. 

Das berufsgenossenschaftliche Regelwerk wird im Internet unter  http://publikationen.dguv.de  angeboten.

In diesem Zusammenhang weisen wir auf den Tagungsbericht der 97. Jahrestagung der DOG 1999 (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft – DOG) Internet: http://www.dog.org/1999/abstract99/248.html  . In diesem Bericht wird auf Strabismus bei Fahrern eingegangen, auf die die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) anzuwenden ist. Die Ausführungen sind auch bezüglich Sehschwächen bei Gabelstaplerfahrern von Interesse.

K 248
MÜSSEN ALLE TAXIFAHRER NORMALES BINOKULAR-SEHEN HABEN?
G. H. Kolling. Universitäts- Augenklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 400, D -69120 Heidelberg

Einleitung: Die seit 1999 gültige Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) fordert für alle Fahrer eines LKW"s ab 3,5 Tonnen und für alle Kraftfahrer mit Personenbeförderung: „Keine Diplopie, Schielen - auch zeitweilig - unzulässig."

Ergebnisse/Diskussion: Die Definition für den manifesten Strabismus lautet gemäß DIN 5340: „Stellungsfehler der Augen zueinander, bei dem die Fixierinie nur eines Auges auf den Fixationspunkt gerichtet ist ... ." Diese Definition ist für die Begutachtung nicht ausreichend, da es einige Probanden gibt, die bei Blick geradeaus nicht Schielen (orthotrop sind), aber trotzdem kein oder nur subnormales Binokularsehen haben. Demzufolge muß die Forderung normales binokulares Einfachsehen mit Fusion und Stereopsis einschließen. Diese Forderung kann mit Ergebnissen der Literatur begründet werden: Probanden mit Strabismus und reduziertem Stereosehen verursachen signifikant häufiger Unfälle als normale Kontrollpersonen (1). Allerdings kann dies nicht ohne weiteres auf jahrelang unfallfrei fahrenden Fahrer übertragen werden. Es wird hiermit vorgeschlagen, daß Taxifahrer mit manifestem Strabismus, aber beidseits normalem Visus und Gesichtsfeld weiter fahren dürfen, wenn sie ihre Unfallfreiheit über Jahrzehnte hinweg dem Landratsamt nachweisen können.
Diese Einschätzung erfordert aber, dass die begutachtenden Augenärzte für Taxifahrer, für LKW-Fahrer (C) und Omnibusfahrer (D mit Personenbeförderung) abgestufte Bewertungsmaßstäbe benutzen dürfen. Hierzu werden die Empfehlungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur Fahreignungsbegutachtung für den Straßenverkehr erläutert.

Schlußfolgerung: Für die augenärztliche Begutachtung nach der neuen FeV sollte die vom Gesetz vorgegebene Abstufung „Schielen: Ja oder Nein" mit pathophysiologisch begründeten Zwischenstufen versehen werden.

(1) Lachenmayr B, Buser A, Keller O (1996) Sehstörung als Unfallursache.Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft 65, Bergisch- Gladbach 


Dialognummer: 1777
Stand: 04.02.2009

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