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Stichworte: Was muss bei der Auswahl der Wand- und Bodenbeläge einer Praxis, in der Zytostatika-Therapien durchgeführt werden, beachtet werden?

Frage:

Ich bin niedergelassener Arzt in einer Gemeinschaftspraxis. Unsere Fachrichtung ist Hämatologie/Internistische Onkologie. Wir planen eine neue onkologische Schwerpunktpraxis und haben bezüglich der arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen zu Boden- und Wandbelägen folgende Frage: In unserer Praxis werden Zytostatika-Therapien durchgeführt. Die Medikamente werden nicht in der Praxis zubereitet (Aufziehen und Mischen von Infusionen). Die fertig zubereiteten Infusionslösungen werden mit einem Infusionsbesteck versehen von Krankenschwestern am i.v.-Zugang der zu behandelnden Patienten angeschlossen. Welche arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen sind bezüglich der Boden- und Wandbeläge in der neuen Praxis zu beachten. Nochmals: Die Infusionslösungen werden nicht in der Praxis hergestellt, sondern fertig angeliefert. Kontaminationsgefahr von Böden und Wänden besteht kaum, allerdings ist nicht auszuschliessen, dass beispielsweise Tropfen der Zytostatikalösung Boden und Wand kontaminieren können.
Bitte informieren Sie mich ausführlich über bestehende Bestimmungen, ggf. wäre ich für weiterführendes schriftliches Info-Material sehr dankbar.

Antwort :

In der Technischen Regel für Gefahrstoffe „Umgang mit Gefahrstoffen in Einrichtungen der humanmedizinischen Versorgung“ (TRGS 525) sind Anforderungen des Arbeitsschutzes beim Umgang mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Arzneimitteln festgelegt. Ein großer Teil der Arzneimittel, die als Zytostatika verwendet werden, enthält als Hauptbestandteil Stoffe dieser Gruppe. Daher sind die Inhalte dieser TRGS, besonders die des Abschnitts 5, beim Umgang mit Zytostatika zu beachten. 
Das Merkblatt M620 „Zytostatika im Gesundheitsdienst“ der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zeigt die erforderlichen Schutzmaßnahmen auf und gibt Hinweise zur sinnvollen Umsetzung. Es orientiert sich dabei an der TRGS 525. Zu Schutzmaßnahmen bei der Verabreichung (Applikation) (Ziff. 5.4 M 620) wird folgendes ausgeführt: 
Die TRGS 525 fordert bei der Vorbereitung und Applikation keine besonderen Schutzmaßnahmen. Lediglich bei der Spülung mit Zytostatikalösungen wird bei offenem Umgang in der TRGS persönliche Schutzausrüstung gefordert. 
Um eine sichere Vorbereitung und Applikation zu gewährleisten, sind besonders folgende Maßnahmen zu berücksichtigen:  

Für Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung von CMR-Arzneimitteln ist gemäß Ziffer 5.5 TRGS 525 folgendes zu beachten:  

  1. Verunreinigungen durch verschüttete CMR-Arzneimittel (Trockensubstanzen, zerbrochene Tabletten, Zubereitungen) sind unverzüglich sachgerecht zu beseitigen. Zur Aufnahme der Substanzen eignen sich Einmaltücher oder Zellstoff. Bei Verschütten von Trockensubstanzen müssen die aufzunehmenden Materialien angefeuchtet werden.
  2. Bei Verunreinigung der Haut mit CMR-Arzneimitteln ist die betreffende Stelle sofort unter reichlich fließendem, kaltem Wasser zu spülen.
  3. Bei Spritzern in die Augen sind diese sofort mit reichlich Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung mindestens 10 Minuten gründlich zu spülen. Danach ist umgehend ein Augenarzt aufzusuchen.
  4. Zum Aufnehmen von verunreinigtem Glasbruch sind geeignete Hilfsmittel zu benutzen und ein zusätzliches Paar Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken überzuziehen .
  5. Die verunreinigten Flächen sind anschließend zu reinigen.

Die TRGS 525 finden Sie im Internet z.B. auf den Seiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de) unter Praxis -> Gefahrstoffe -> Technische Regel für Gefahrstoffe.
Das Merkblatt M 620 "Zytostatika im Gesundheitsdienst" wird von der BGW (www.bgw-online.de) zum download angeboten. Geben Sie hierzu bitte unter "Erweiterte Suche" das Schlagwort "Zytostatika" ein. 
Wir empfehlen, die Einrichtung der onkologischen Praxis im Vorfeld mit dem zuständigen Amtsapotheker und dem Amt für Arbeitsschutz bzw. Gewerbeaufsichtsamt zu erörtern.  

 Stand: Februar 2005  

 

 

 

 

 


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