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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Einstufung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt > Sicherheitsdatenblatt
Stichworte: Gibt es in einem Sicherheitsdatenblatt spezielle Angaben, welche bei einer Schwangeren beachtet werden müssen ?

Frage:

Gibt es in einem Sicherheitsdatenblatt spezielle Angaben, welche bei einer Schwangere beachtet werden müssen ?

Antwort :

Die Gefahrstoffverordnung fordert, dass der Hersteller, Einführer oder erneuter Inverkehrbringer gefährliche Stoffe oder gefährliche Zubereitungen den Abnehmern spätestens bei der ersten Lieferung ein Sicherheitsdatenblatt nach Maßgabe von Artikel 31 in Verbindung mit Anhang II der Richtlinie 1907/2006 zur Verfügung stellt. Das Sicherheitsdatenblatt ist dazu bestimmt, dem berufsmäßigen Anwender die bei Tätigkeiten mit Stoffen und Zubereitungen notwendigen Daten und Umgangsempfehlungen zu vermitteln, um die für den Gesundheitsschutz, die Sicherheit am Arbeitsplatz und den Schutz der Umwelt erforderlichen Maßnahmen treffen zu können. Es muss Angaben in folgender Reigenfolge enthalten:
1. Bezeichnung des Stoffes bzw. der Zubereitung und des Unternehmens,
2. Mögliche Gefahren,
3. Zusammensetzung / Angaben zu Bestandteilen,
4. Erste-Hilfe-Maßnahmen,
5. Maßnahmen zur Brandbekämpfung,
6. Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung,
7. Handhabung und Lagerung,
8. Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutzausrüstung,
9. Physikalische und chemische Eigenschaften,
10. Stabilität und Reaktivität,
11. Toxikologische Angaben,
12. Umweltbezogene Angaben,
13. Hinweise zur Entsorgung,
14. Angaben zum Transport,
15. Rechtsvorschriften,
16. Sonstige Angaben.

Ausführliche Informationen zum Sicherheitsdatenblatt enthält die Bekanntmachung 220 des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS). Hiernach ist im Sicherheitsdatenblatt auch auf Beschäftigungsbeschränkungen für werdende und stillende Mütter einzugehen (Ziff. 6.15.4, Abs.2).


D
er Arbeitgeber hat sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft durch eine Arbeitnehmerin eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchzuführen. Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende oder stillende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung.

Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden oder stillenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:
1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgelts gemäß § 11 Mutterschutzgesetz

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.

Bezüglich des Umgangs mit Gefahrstoffen ist vom Arbeitgeber folgendes zu beachten:

Verbot der Beschäftigung mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen, z. B. Chemikalien, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) überschritten wird. Die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte ist evtl. durch Schadstoffmessungen nachzuweisen.

Beim Umgang mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgut verändernden Gefahrstoffen (CMR Stoffe) wird zwischen werdenden und stillenden Müttern unterschieden.

Werdende Mütter dürfen diesen Stoffen überhaupt nicht ausgesetzt sein. Stillende Mütter dürfen mit diesen Stoffen dann umgehen, wenn die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden.

Grundlegende Hinweise auf Gefahrstoffe finden sich auf Produktverpackungen und den dazugehörenden Sicherheitsdatenblättern. Bei der Gefährdungsbeurteilung ist auf Gefahrstoffe besonders zu achten, die mit folgenden R-Sätzen (Hinweise auf besondere Gefahren) gekennzeichnet sind:
R40 Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
R45 Kann Krebs erzeugen

R46 Kann vererbbare Schäden verursachen
R49 Kann Krebs erzeugen beim Einatmen
R60 Kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigenR61 Kann das Kind im Mutterleib schädigen
R62 Kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
R63 Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen
R68 Irreversibler Schaden möglich
sowie mit "H" (hautresorptiv) gekennzeichnete Gefahrstoffe. Beim Umgang mit hautresorptiven Stoffen sind geeignete persönliche Schutzausrüstungen, wie z. B. undurchlässige Schutzhandschuhe, Schutzkittel zu tragen.

Arbeitsplatzgrenzwerte der jeweiligen Gefahrstoffe sind dem Stoff-Sicherheitsdatenblatt und der Gestis-Stoffdatenbank www.dguv.de/ifa/de/gestis/stoffdb/index.jsp zu entnehmen.

Auf den Leitfaden zum Mutterschutz http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Gesetze/themen-lotse,did=3156.html weisen wir hin.


Dialognummer: 17093
Stand: 01.10.2012

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