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Stichworte: Dürfen Kraftstoffdämpfe mit einer nicht ex-geschützten Abgasabsauganlage abgesaugt werden?

Frage:

In Kfz-Werkstätten werden in letzter Zeit bei mehreren Fahrzeugtypen durch Produktionsfehler Arbeiten an Tankgebern (Messfühler für Kraftstoffanzeige) nötig. Hierzu muss der Tank teilentleert werden und der Tankgeber aus dem Kraftstofftank entnommen werden. Da der Tankgeber oftmals nur über den Innenraum des Fahrzeugs erreicht werden kann, ist eine natürliche Lüftung nicht immer ausseichend.
Ist es zulässig, Kraftstoffdämpfe aus dem Fahrzeuginnern mit der Abgasabsauganlage, die nicht ex-geschützt ist, abzusaugen?
Wenn ein Fahrzeug auf nicht allen Zylindern läuft, kommt ja auch unverbrannter Kraftstoff in die Abgasabsauganlage!
Da nach der Reklamationsphase der Tankgeber diese Arbeiten selten werden, lohnt sich der Kauf eines speziellen Absauggerätes für kleine Werkstätten nicht. Welche Alternativen gibt es?

Antwort :

Da bei den beschriebenen Arbeiten an dem teilentleerten Tank durch die Verdampfungsneigung von Ottokraftstoffen in jedem Falle ein explosionsfähiges Gemisch entstehen kann, wäre die Fortleitung mit einer Absauganlage, die nicht explosionsgeschützt ist, grundsätzlich unzulässig. Es ist auch anzunehmen, dass bei einem geöffneten Tank größere Mengen gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre entstehen können als bei einem unsauber laufenden Motor. Unverbrannter Kraftstoff des Motors wird zum Teil im heißen Katalysator oder in der Auspuffanlage verbrannt und kann dort zu Schäden führen.

Im Vorfeld wäre zunächst zu klären, ob das Arbeitsverfahren nicht dahingehend zu optimieren ist, dass überhaupt kein explosionsfähiges Gemisch entstehen kann, z.B.: durch
1. Vollständiges Entleeren des Kraftstoffbehälters z.B. durch Auspumpen in ein geeignetes, geerdetes Behältnis.
2. Abdichten und Abklemmen der Kraftstoffleitungen
3. Lüften oder Spülung des Tanks mit z.B. Stickstoff oder anderem inerten Gas (allerdings müssten auch diese Dämpfe abgesaugt werden)
a. Die Lüftung sollte nicht mit Pressluft geschehen, da eine Verdünnung und Verwirbelung die Entzündungsneigung ggf. erhöhen kann.
b. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass keine funkenreißenden Werkzeuge eingesetzt werden und auch andere Zündquellen in der näheren Umgebung ausgeschlossen werden.

Der Ausbau des Tankgebers vom Kofferraum aus ist in den Berufsgenossenschaftlichen Regeln BGR 157 Fahrzeugsinstandhaltung als Arbeiten unter beengten Raumverhältnissen eingestuft. Es wird darauf hingewiesen, dass beim Überschreiten der Auslöseschwelle für Benzol arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zu veranlassen sind (Kapitel 5.25).

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob bei der vorgesehenen Tätigkeit - unter Berücksichtigung des stofflichen Gefahrenpotenzials und der Arbeitsumgebung - Brand- oder Explosionsgefahren auftreten können. Insbesondere ist die Bildung von explosionsfähigen Gemischen und das Auftreten möglicher Zündquellen zu betrachten. Diese Beurteilung muss vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen und ist zu dokumentieren (§ 12 i.V.m. Anhang III Nr. 1 der Gefahrstoffverordnung). Bei der Beurteilung und der Festlegung von Schutzmaßnahmen muss das Ziel, dass die Atemluft der Beschäftigten am Arbeitsplatz frei von brennbaren/entzündlichen und gesundheitsschädlichen Gasen, Dämpfen, Stäuben und Rauchen sein soll, ausreichend berücksichtigt werden.

Die Berufsgenossenschaftlichen Regeln/Informationen
BGR 157 Fahrzeugsinstandhaltung sowie BGI 550 Sicherheitslehrbrief für die Fahrzeuginstandhaltung geben weitere Informationen zum Ausbau des Tankgebers. 


Dialognummer: 1679

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