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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)
Stichworte: Welche Arbeitsschutzmaßnahmen sind bei der Öffnung von Metall-Kraftstofftanks mittels Blechschere zu beachten?

Frage:

Zur Zeit befinden sich Metallkraftstofftanks (PKW-Tanks)auf dem amerikanischen Markt. Diese Behälter erfüllen besondere gesetzliche Emissionsanforderungen.

Im Rahmen von Fehleranalysen müssen einige wenige dieser Tanks mit Restkraftstoffinhalt (Benzin) zur weiteren Untersuchung geöffnet werden (Serviceöffnung ist nicht vorhanden!). Die Öffnung geschieht mit Hilfe einer elektrischen Blechschere. Vor der Öffnung wird der Tank bis auf 2 Liter Benzin entleert und mit Stickstoff vor und während der Öffnung geflutet.

Zur Zeit besteht der Bedarf, einige dieser Tanks direkt "vor Ort" in den USA zu befunden/analysieren. Hierfür steht bisher keine geeignete Einrichtung in Hinblick auf Arbeitssicherheit zur Verfügung.


Frage:
Welche Arbeitsschutzeinrichtungen sind mind. erforderlich ? (Beispl. Absaugungen, Schutzausrüstungen, ect.)



Antwort :

Die nachfolgenden Ausführungen berücksichtigen das deutsche Arbeitsschutzrecht.

Gemäß Arbeitsschutzgesetz ist eine der Grundpflichten des Arbeitgebers, erforderliche Maßnahmen festzulegen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit zu sichern und zu verbessern. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die Gefährdungsbeurteilung. Das heißt: Die Ermittlung und Bewertung von Ursachen und Bedingungen, die zu Unfällen bei der Arbeit oder arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren führen können.

Der Betrieb muss über Unterlagen verfügen, aus denen das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die festgelegten Maßnahmen sowie das Ergebnis ihrer
Überprüfung ersichtlich sind.

Wir empfehlen, zunächst im Rahmen einer Arbeitsschutzausschusssitzung (Teilnehmer gemäß Arbeitssicherheitsgesetz: Arbeitgeber, Betriebsrat, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Sicherheitsbeauftragte) beim Arbeitgeber das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung und die Beteiligung der innerbetrieblichen Arbeitsschutzakteure und Arbeitnehmer nachzufragen.

Unabhängig vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung weisen wir darauf hin, dass insbesondere der gesundheitliche Schutz vor gefährlichen Stoffen und der Explosionsschutz bei dem in der Frage beschriebenen Arbeitsverfahren von Bedeutung sind. Maßgebliche Rechtsvorschriften sind hier die Gefahrstoffverordnung - GefStoffV und die Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV .

Die Begrenzung des Gefahrenpotenzials des Stoffes (Ersatzstoff oder Maßnahmen zur Verhinderung oder Reduzierung der betriebsmäßigen Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre, z. B. durch Lüftung) richten sich nach den Bestimmungen der Gefahrstoffverordnung. Ist eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre unvermeidbar und werden dabei Arbeitsmittel eingesetzt, so ist dafür die BetrSichV maßgebend. Nach § 16 GefStoffV in Verbindung mit Anhang V Nr. 8.3 hat der Arbeitgeber zunächst Stoffe und Zubereitungen im Hinblick auf ihre Eigenschaften und die Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz verwendet werden oder dort vorhanden sind, zu prüfen, um festzustellen, ob sie explosionsfähige Gemische bilden können. Können nach dieser Beurteilung Brand- und Explosionsgefahren nicht ausgeschlossen werden, hat der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Die Rangfolge ist wie folgt: Zunächst ist zu prüfen, ob der Stoff ersetzt oder das Verfahren geändert werden kann. Wenn dies nicht möglich ist, ist die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Gemische z. B. durch Lüftungs- oder Absaugmaßnahmen zu verhindern. Kann durch diese Maßnahmen die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre nicht ausgeschlossen werden, sind Schutzmaßnahmen nach BetrSichV durchzuführen. Nach § 3 BetrSichV hat der Arbeitgeber, die Wahrscheinlichkeit und die Dauer des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre, die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins und des Wirksamwerdens von Zündquellen sowie das Ausmaß der zu erwartenden Auswirkungen von Explosionen zu beurteilen. Auf dieser Grundlage teilt er die explosionsgefährdeten Bereiche (s. § 2 Abs. 10) nach Maßgabe des Anhangs 3 in Zonen ein und trifft die in Anhang 4 genannten Maßnahmen. Die Zoneneinteilung entspricht der bisherigen.

Weiterhin hat der Arbeitgeber ein Explosionsschutzdokument zu erstellen (s. § 6), aus dem die Ermittlung und Bewertung der Explosionsgefahren, die erforderlichen Vorkehrungen zur Minimierung der Gefahren und zur Begrenzung ihrer Auswirkungen ersichtlich werden und die nach Anhang 3 eingeteilten Bereiche einschließlich der Maßnahmen nach Anhang 4 benannt sind. Für die Pflicht zur Erstellung des Explosionsschutzdokumentes gilt eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2005 (§ 27 Abs. 1). Werden in den ermittelten explosionsgefährdeten Bereichen Geräte und Schutzsysteme nach RL 94/9/EG eingesetzt, so unterliegen diese nicht nur den Regelungen des 2. Abschnittes, sondern auch denen des 3. Abschnittes, da sie als überwachungsbedürftige Anlagen eingestuft sind (s. § 1 Abs. 2 BetrSichV ). Die eingesetzten Geräte und Schutzsysteme sind vor erstmaliger Inbetriebnahme durch eine befähigte Person zu prüfen (§ 14 Abs. 3 Nr. 1 ). Der Betreiber hat die Fristen für wiederkehrende Prüfungen der Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen festzulegen.

Nach § 15 Abs. 14 sind Prüfungen bei Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen spätestens alle 3 Jahre von einer befähigten Person durchzuführen.

Welche Schutzmaßnahmen im Detail zu treffen sind (z.B. Absaugungen, Schutzausrüstungen, etc.) muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geklärt werden.

Informationen zu der Fragestellung werden auch von der Arbeitsschutzverwaltung NRW im Internet unter der Adresse http://www.arbeitsschutz.nrw.de angeboten.

Stand: 15.04.2003

Dialognummer: 1666

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