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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)
Stichworte: Kann vorbeugender Hautschutz zu einer Resorption von Gefahrstoffen führen?

Frage:

Auf einer arbeitsmedizinischen Tagung wurde in einem Referat dargestellt, dass vorbeugender Hautschutz zu einer Resorption von Gefahrstoffen (statt einer Verhinderung der Resorption) führen kann.
Bislang habe ich in Betrieben die Anwendung von Hautschutzmitteln auch bei Umgang mit Ölen und Fetten propagiert. Was meinen Sie dazu? Ist diese Ansicht überholt?


Antwort :

Hautschutzmaßnahmen kommen in der Rangfolge der Präventionsmaßnahmen erst dann zur Anwendung, wenn eine Ersatzstoffprüfung durchgeführt und alle technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgeschöpft worden sind. Unter Hautschutz versteht man die persönliche Schutzausrüstung (z.B. das Tragen von Schutzhandschuhen), die Anwendung von Hautschutzsalben vor der Arbeit, die adäquate Hautreinigung und Hautpflegemaßnahmen zur Unterstützung der Regeneration nach der Arbeit.
Hautschutzmittel können Schutzhandschuhe in deren Funktion grundsätzlich nicht ersetzen. Sie dienen insbesondere nicht dem Schutz der Hände vor dem Kontakt mit toxischen Stoffen.
Eine sorgfältige Analyse der Hautbelastung am Arbeitsplatz ist die Voraussetzung für die richtige Auswahl von Hautschutzmaßnahmen. Hautschutzmittel müssen den spezifischen Hautbelastungen am jeweiligen Arbeitsplatz entsprechend ausgewählt werden. Dabei sollte die richtige Auswahl und Anwendung von Hautschutzpräparaten im konkreten Einzelfall immer in Zusammenarbeit mit dem Beratungsdienst des Herstellers bzw. Lieferanten erarbeitet werden. Hautschutzmittel müssen in jedem Fall den besonderen Anforderungen der jeweiligen Arbeitsprozesse genügen. Die Schutzwirkung spezieller Präparate ist nicht gegen alle, sondern nur gegen einzelne Hautgefährdungen gerichtet.

Hautschutzmittel dienen vornehmlich der Abwehr von Hautschädigungen bei Bedingungen, unter denen der Einsatz von Schutzhandschuhen nicht praktikabel oder verboten ist. Neben der Erleichterung der Hautreinigung nach der Arbeit durch den Aufbau eines schmutzabweisenden Schutzfilms dienen Hautschutzmittel vor allem dem Schutz der Haut vor dem unmittelbaren Kontakt mit hautbelastenden Arbeitsstoffen, die insbesondere bei länger andauernder Exposition die natürlichen Schutzfunktionen der Haut beeinträchtigen können. Hautschutzmittel stärken zudem die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber leichten mechanischen Belastungen. Um die Schutzfunktionen zu entfalten enthalten Hautschutzmittel spezielle, auf den jeweiligen Anwendungsbereich zugeschnittene Wirkstoffe.
Zum Schutz der Haut vor einer Belastung mit nicht wasserlöslichen (hydrophoben) Arbeitsstoffen, wie beispielsweise Bohr- und Schneidöle oder Schmierfette, werden meist Präparate auf Basis wasserlöslicher Suspensionen sowie gelegentlich auch Öl-in-Wasser (O/W)-Emulsionen mit sehr geringem Fettanteil eingesetzt. Die Suspensionspräparate werden durch Aufschwemmung von Feststoffen (Pigmenten wie Talkum, Kaolin oder Zinkoxid) in wasserreichen Grundlagen gebildet. Zur Reduzierung der direkten Hauthaftung von Schmutz und Arbeitsstoffen werden außerdem sogenannte Filmbildner eingearbeitet. Der Schutzeffekt der Suspensionspräparate gegenüber hydrophoben Arbeitsstoffen beruht anfänglich vornehmlich auf ihrer wasserreichen, d.h. hydrophilen Grundlage. Im Verlauf der fortschreitenden Verdunstung des Wassers kommt dann die schützende Wirkung der Pigmente stärker zur Geltung.
An diesen grundsätzlichen Überlegungen hat sich nichts geändert. Weitere und vor allen Dingen auf eine konkrete Belastungssituation bezogene Informationen erhalten Sie beim Hersteller bzw. Lieferanten oder bei entsprechenden Verbänden, z.B.

Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW)
Karlstraße 21
60329 Frankfurt am Main
Tel.: 0 69 /2556 – 13 30
www.ikw.org

oder

Bundesverband Handschutz e.V.
Bruncknerallee 172 a
41236 Mönchengladbach
Tel.: 0 21 66 / 24 82 49
mail@bvh.de
www.bvh.de

Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass eine Resorption von Gefahrstoffen durch Hautschutzmittel begünstigt wird. Dies ist jedoch im Einzelfall auf Basis der toxikologischen und resorptionskinetischen Daten des Stoffes und unter Berücksichtigung der physiko-chemischen Eigenschaften des Hautschutzmittels zu beurteilen. Die gesundheitliche Bewertung der möglichen Resorption muss berücksichtigen, dass einerseits die Dicke der Haut an den Händen die Penetration von Stoffen erschwert, andererseits bei geschädigter Haut die Penetration aber auch erleichtert wird. Letztlich bestimmen bei systemisch wirkenden Stoffen die tatsächlich aufgenommenen Mengen das gesundheitliche Risiko.

Stand: 01.04.2003


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