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Nutzerpfad: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Gefährdungsbeurteilung > Spezifische Gefährdungsbeurteilungen
Stichworte: Gibt es eine Höhenbegrenzung für die Alleinarbeit auf Leitern?

Frage:

Unser Haustechniker am Standort möchte eine Saalleiter mit der Höhe von 11,70 m bestellen und nutzen. Darf er in dieser Höhe alleine arbeiten? Benötigt er eine zweite Person zur Sicherheit?

Antwort :

Ihre Frage läßt sich nicht eindeutig beantworten. Erforderlich ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz/ArbSchG, die sich bei Arbeiten auf Leitern nicht nur auf die Erforderlichkeit einer zweiten Person beziehen darf.

Zunächst ist grundsätzlich (nicht nur angesichts der erheblichen Höhe) zu prüfen, ob für den vorgesehenen Einsatzzweck überhaupt eine Leiter in Frage kommt. Im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung/BetrSichV, Anhang 1 Nr. 3.1.4 ist die Benutzung einer Leiter als hoch gelegenem Arbeitsplatz auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel (z.B. Rollgerüste) wegen der geringen Dauer der Benutzung oder der vorhandenen baulichen Gegebenheiten, die der Arbeitgeber nicht ändern kann, nicht gerechtfertigt ist.

Sollte tatsächlich eine Standhöhe in etwa zehn Meter Höhe erforderlich sein, wird vorgeschlagen zu prüfen, ob der Arbeitsort mit einer Hebebühne erreicht werden kann. Die Ausführung von Arbeiten mit einer Hebebühne wird als deutlich sicherer als die Arbeit auf einer Leiter beurteilt.

In berufsgenossenschaftlichen Vorschriften wird i.d.R. eine Höhe von sieben Metern genannt, bis zu der auf Leitern Arbeiten geringfügigen Umfangs durchgeführt werden dürfen. Sie finden diese Aussage z.B. in der DGUV Information 208-016 (bisher: BGI 694) „Handlungsanweisung für den Umgang mit Leitern und Tritten“.

Auf Seite 5 findet sich dort: „Sind Arbeiten geringen Umfangs und geringer Gefährdung durchzuführen, können auch Leitern und Tritte benutzt werden.

Bei der Beurteilung, ob es sich um kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung handelt, ist neben der Dauer und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit sowie dem einzusetzenden körperlichen Aufwand auch der Umfang des auf der Leiter mitzuführenden Werkzeugs und Materials zu berücksichtigen.
Beispiele hierfür sind, wenn
• der Standplatz auf der Leiter nicht höher als 7,00 m über der Aufstellfläche liegt,  …… ".

Die DGUV Information 208-016 stellt eine anerkannte Regel der Technik dar.
Hier findet sich auf Seite 13 ein Bild einer Saal- oder Montageleiter. Es wird dort auch ausgesagt, daß man zum Einsatz dieser Leitern einen ebenen Untergrund braucht. Über die maximale Höhe dieser Leitern wird dort keine Aussage gemacht.
In Fachgeschäften gibt es Leitern mit einer Gesamthöhe von deutlich über sieben Metern. Dort wird keine Aussage getroffen, ob diese Leitern nur privat oder auch gewerblich eingesetzt werden dürfen. 
In der TRBS 2121 Teil 2 „Gefährdungen von Personen durch Absturz – Bereitstellung und Benutzung von Leitern“  wird keine maximale Höhe von Leitern  genannt. 
Zusammenfassung: Es wird vorgeschlagen, daß die Fachkraft für Arbeitssicherheit den Einsatzbereich der Saalleiter zusammen mit dem Haustechniker prüft und dem Arbeitgeber Vorschläge für eine sichere Durchführung der Arbeiten macht. Dabei sollen auch die Randbedingungen für die Nutzung der Leiter festgelegt werden.
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (nach Arbeitsschutzgesetz, s.o.)  sind in jedem Fall Maßnahmen zur Minimierung (§ 4 ArbSchG) der verbleibenden Gefährdung festzulegen und umzusetzen: wird tatsächlich eine 11,70 m hohe Leiter verwendet, kann eine zweite Person zur Sicherung ggf. eine sinnvolle Maßnahme darstellen.
Wird die Leiter in Verkehrswegen, insbesondere unübersichtlichen Verkehrswegen oder Verkehrswegen mit Verkehr von Transportmitteln verwendet, sind unbedingt geeignete Sicherungsmaßnahmen festzulegen.

Dialognummer: 15662
Stand: 01.10.2015

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