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Nutzerpfad: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Allgemeine Beschaffenheitsanforderungen
Stichworte: Welche Anforderungen gelten für das Herstellen und Inverkehrbringen eines Arbeitskorbes für ein Flurförderzeug?

Frage:

Der Hersteller eines Gabelstapler-Sicherheitskorbes liefert diesen neu mit TÜV bis 2012 und dem Hinweis, er sei Fachbetrieb, aus.

Hat er keine weiteren Herstellerpflichten? CE? Betriebsanleitung? Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV? Ist er nicht gesetzlich dazu verpflichtet?

Die "Sicherung" erfolgt durch je eine Schraube je Gabelzinken. Ansonsten gibt es keine Abturzsicherung. Wie bemerkt der FFZ-Fahrer, daß sich diese Klemmverbindung gelöst hat? Wenn der Sicherheitskorb unten liegt?

Der Sicherheitsbügel des Korbes kann nicht durch Splint gesichert werden.


Antwort :

Arbeitskörbe / Arbeitsbühnen, die auf den Auslegern eines Industriegabelstaplers befestigt werden, sind keine auswechselbaren Ausrüstungsteile im Sinne der Maschinenrichtlinie, sie unterliegen nicht der Maschinenrichtlinie und tragen auch kein CE-Konformitätszeichen. Siehe auch die Stellungnahme der Europäischen Kommisssion zu auswechelselbaren Ausrüstungen an Hebemaschinen als Anlage [pdf].

Rechtsgrundlage für die Verwendung von Arbeitsbühnen an Flurförderzeugen ist Ziffer 4.1.1 des Anhangs 2 der Betriebs-sicherheitsverordnung (BetrSichV). Danach dürfen Personen mit nicht dafür vorgesehenen Arbeitsmitteln (z. B. mit Gabelstaplern oder Mitgänger-Flurförderzeugen) ausnahmsweise angehoben werden, wenn geeignete Maßnahmen ergriffen werden, welche die Sicherheit gewährleisten.

An Arbeitsbühnen / Personenkörbe werden deshalb umfangreiche Anforderungen gestellt, die sich u.a. aus der Betriebssicherheitsverordnung (§§ 4, 7 und Anhänge 1 und 2), der Unfallverhütungsvorschrift BGV D 27 (§ 26) und den folgenden Merkblättern U D27.02 - Arbeitsbühne an Regalflurförderzeugen (
http://medien-e.bghw.de/bge/pdf/u_d27_02.pdf) bzw. U D27.03 Arbeitsbühne an Gabelstaplern (http://medien-e.bghw.de/bge/pdf/u_d27_03.pdf), (http://medien-e.bghw.de/asp1/dms.asp?url=bghw/inh/inform.htm) ergeben.

Bezüglich der Befestigung wird im Merkblatt  U D27.03 ausgeführt:
Die Arbeitsbühne muss so befestigt werden, dass sie sich nicht verschieben oder gar abrutschen kann. Dies geschieht zweckmäßigerweise durch eine formschlüssige Verbindung hinter dem Gabelrücken oder dem Gabelträger, z. B. mit Hilfe von Bügeln, Klinken, Ketten, Bolzen oder einsteckbaren Stangen, die gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert sind.

Eine kraftschlüssige Verbindung wie in der Frage beschrieben ist als Befestigung unzulässig.
Weiter müssen Sicherung gegen Absturz von Personen, z.B. in Form von Umwehrungen angebracht sein.

Als Fahrer des Flurförderzeugs und als Benutzer der Arbeitsbühne dürfen nur geeignete und zuverlässige Personen eingesetzt werden, die vom Unternehmer bzw. der Betriebsleitung namentlich bestimmt sind. Für die Benutzung eines Arbeitskorbes /  Arbeitsbühne ist eine Betriebsanweisung aufzustellen. Beide sind anhand der Betriebsanweisung zu unterweisen.
Fahrer von Flurförderzeugen müssen grundsätzlich für die Benutzung von Flurförderzeugen ausgebildet und befähigt sein, z.B. nach dem BG-Grundsatz "Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand" (BGG 925).


Arbeitsbühnen/Personenkörbe sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung und dementsprechend auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung von einer befähigten Person zu prüfen. Näheres dazu sind der TRBS 1201 "Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen" und der  TRBS 1203 "Befähigte Personen" www.baua.de/trbs zu entnehmen. 
Sachkundige für die Prüfung von Gabelstaplern können auch die Anforderungen an befähigte Personen im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung erfüllen. Dieses ist im Einzelfall zu klären.  
Ob es sich bei der genannten "TÜV-Prüfung" um eine solche Prüfung durch eine befähigte Person handelt, wäre ebenfalls vor Ort zu klären. Gemäß BGI 720 - Sicherer Umgang mit Hubarbeitsbühnen gilt: "Die Prüfung der Geräte hat nach jedem
Anbau des Arbeitskorbes durch eine befähigte Person zu erfolgen. Die Prüfung ist zu dokumentieren."


Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter
http://publikationen.dguv.de/ angeboten.


Dialognummer: 14857
Stand: 02.11.2011

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