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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Einstufung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt > Einstufung
Stichworte: Fragen zur unterschiedlichen Einstufung eines Stoffes durch zwei Hersteller vor dem Ende der Registrierungsphase

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hier eine Frage zur Folge unterschiedlicher Klassifizierung ein- und derselber Chemikalie durch unterschiedliche Hersteller.

Hintergrund:
Eine Substanz (keine Zubereitung) wird durch genau 2 Hersteller im Markt EU vertrieben.
Mit einer Registrierung der Substanz ist mengenbedingt erst in 2018 zu rechnen.
Beide Hersteller klassifizieren diese Substanz derzeit unterschiedlich.
Der länger im Markt befindliche Hersteller A benutzt eine - sehr risikoscheue - Klassifizierung als selbstzersetzlicher Stoff (inkl. Kühlungsempfehlung).
Hersteller B benutzt eine Klassifzierung, die sowohl konform zur ESIS-Datenbank (bzw. der mittlerweile durch B erfolgten Umwandlung der dort hinterlegten veralteten R&S-Sätze) ist als auch experimentell durch legitimierten Test untermauert ist.
Einer der Kunden, Z, lagert die Substanz, bezogen bislang durch A, in einem dedizierten Lager. Um die Substanz auch von B beziehen und damit auch einlagern zu können, verlangt dieser Kunde von B die Klassifizierung ebenfalls analog zu Hersteller A. Die Lagerung an einem anderen Lagerort wird durch den Kunden bedauerlicherweise als zu komplex angesehen.

Die Frage lautet nun:
Darf Hersteller B - bis zur Registrierung unter REACH und der damit erfolgenden Vereinheitlichung - , um sich nicht weiter aus dem Geschäft mit Z drängen zu lassen, genau die Menge der Substanz, die an Z gehen würde, gemäß der (nach Ansicht des B sonst nicht erforderlichen) "scharfen" Klassifizierung in Kopie zu A klassifizieren, während der restliche Markt nach der experimentell untermauerten Klassifizierung beliefert wird?
Ist eine a) partielle = teilmengenbezogene b) schärfere Klassifizierung innerhalb des eigenen Substanzvolumens für B rechtlich zulässig (bevor REACH zu einer Vereinheitlichung führt)?

Besten Dank vorab.

Antwort :

Die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 regelt u. a. die Ermittlung der Gefahreneigenschaften von Stoffen und Gemischen, gibt Entscheidungskriterien für die Einstufung von Stoffen und Gemischen und legt die Kennzeichnungs- und Verpackungsanforderungen fest. Die Anforderungen gelten für das Inverkehrbringen von Stoffen und Gemischen. Adressaten der Verordnung sind hauptsächlich Hersteller, Produzenten, Importeure und nachgeschaltete Anwender. Mit dem Inkrafttreten der CLP-Verordnung, welche unmittelbar in den Mitgliedsländern gilt, sind diese Vorschriften für die Einstufung und Kennzeichnung anzuwenden. Die Verordnung ist am 20.01.2009 in Kraft getreten (Art. 62). Nach Artikel 61 der GHS-Verordnung konnten Stoffe bis zum 1. Dezember 2010 nach der (alten) Stoffrichtlinie 67/548/EWG eingestuft, gekennzeichnet und verpackt werden. Weitere Informationen zur CLP-Verordnung werden anschaulich u. a. in den Einführenden Leitlinien zur CLP-Verordnung beschrieben.

Zur Theorie: Da die Kriterien für die Einstufung von Stoffen rechtlich geregelt sind, sollte eine richtige Anwendung dieser zu gleichlautenden Ergebnissen führen. Aufgrund dieser ermittelten Eigenschaften des Stoffes sind dann die Empfehlungen des Herstellers zur weiteren Verwendung zu treffen. Der Kunde setzt dann die Empfehlungen des Herstellers in seinem Betrieb um. Im Allgemeinen darf sich der Verwender dabei auf die Informationen des Herstellers verlassen. Für den Kunden reicht es aus, wenn er die Informationen des Herstellers auf Plausibilität prüft, eigene Prüfungen sind nicht notwendig.

Bestehen jedoch Zweifel an der Richtigkeit an den vom Hersteller gemachten Angaben, so sollte dies in erster Linie zwischen dem Hersteller und dem Verwender abzustimmen sein. Sofern es unterschiedliche Auffassungen gibt, handelt jeder in eigener Verantwortung: Der Hersteller hat für seine Aussagen zur Verwendung geradezustehen, und der Kunde für die gefahrlose Verwendung in seinem Betrieb. Im Schadensfall wird zu prüfen sein, ob der Hersteller ausreichende Informationen zu seinen Produkten für einen sicheren Umgang mitgeliefert hat und ob der Verwender sich an die vom Hersteller gegebenen Informationen gehalten hat. Im Zweifel muss es für Abweichungen gute Gründe geben.

D. h. der Hersteller stuft seinen Stoff nach den ihm vorliegenden Erkenntnissen ein, eine „Einstufung nach Kundenwunsch“ kann es eigentlich nicht geben. Im Zweifel hat der Hersteller für seine Einstufung geradezustehen (Produkthaftung). Sofern der Kunde der Aufassung ist, noch vorsichtiger mit dem Stoff umzugehen als vom Hersteller vorgesehen, so bleibt ihm dies unbenommen. Bei einem Stoff mit unterschiedlichen Einstufungen ist der Kunde auf der sicheren Seite, der den Lagerraum so betreibt, wie es die gefährlichere Einstufung vorsieht.


Dialognummer: 14729
Stand: 12.10.2011

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