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Nutzerpfad: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Über- und Unterforderung
Stichworte: Wie verhalte ich mich bei Arbeitsüberlastung in einer Firma, die verstärkt Stellen abbaut?

Frage:

Es steht ein Stellenabbau bevor. Die Kollegen werden schon wegrationalisiert; nur die, die bleiben dürfen, bekommen die doppelte Arbeit oder die Dreifache. Überstunden sind an der Tagesordnung, von Gehaltserhöhung keine Spur. Wie verhalte ich mich richtig? So kann es nicht weitergehn. Wie bereite ich mich auf so ein wichtiges, schwieriges Personalgespräch vor? Der Betriebsrat hält sich bedeckt, ist leider keine Hilfe. Ich arbeite gerne, aber es wird immer mehr. Was kann ich tun?

Antwort :

Der beschriebene Stellenabbau innerhalb des Unternehmens scheint beschlossen zu sein. Die entstehenden Lücken werden durch Mehrarbeit und Überstunden der verbleibenden Mitarbeiter kompensiert.
Da keine entsprechenden Informationen vorliegen, ist der Grund des Stellenabbaus nicht klar. Dieser kann in einer wirtschaftlichen Krise des Unternehmens, einer sonstigen Kosten mindernden Ausrichtung oder anderen Rahmenbedingungen liegen.

Sofern Ihnen der Grund für den Stellenabbau und die damit verbundene Gefahr um den Verlust ihres eigenen Arbeitsplatzes nicht bekannt ist, sollten Sie ihn zu Ihrer strategischen Ausrichtung zunächst einmal in Erfahrung bringen.
Dieses kann durch ein gezieltes Gespräch mit dem/den Vorgesetzten geklärt werden. Zusätzlich können Sie einen Personalverantwortlichen oder den Betriebsrat (noch einmal) ansprechen.

Kennen Sie den Grund bereits, dann liegt es in Ihrem Ermessen, ob sie bereit und fähig sind, die geforderte Mehrarbeit zu leisten. Da Sie gerne arbeiten, aber gleichzeitig das Gefühl haben, daß sich etwas an Ihrer derzeitigen Situation ändern muss, ist es wichtig Ihre persönliche körperliche und psychische Belastungsgrenze festzulegen. D.h. sie könnten für sich feststellen, ob, wann und warum Sie die Arbeit belastet. Weiterhin sollten Sie sich die Frage beantworten, ob Sie in erster Linie Schwierigkeiten haben, diese Anforderung ohne erhöhten Ausgleich (Gehaltserhöhung) zu erfüllen.

Haben Sie das Gefühl bereits besonders belastet zu sein ist es ratsam, frühzeitig fachliche Hilfestellung (Arzt, Konfliktberater, Psychologe etc.) zu suchen und Massnahmen zum Stressabbau zu ergreifen (Bewegung, Entspannung, Ausgleich, positives Denken etc.).

Werden Sie sich darüber klar, was Ihnen an Ihrer Tätigkeit und Position gefällt, was Ihnen missfällt und was Sie in Kauf nehmen möchten/können, um Ihren derzeitigen Arbeitsplatz zu halten. Ihre persönliche Situation und Voraussetzung und die wirtschaftliche Lage der Firma bzw. der Branche in der Sie tätig sind, spielen dabei ebenfalls eine Rolle.

Wenn Sie für sich entscheiden, ob Sie sich der betrieblichen Lage weiterhin stellen wollen/müssen oder ob ein rechtzeitiger Arbeitsplatzwechsel für Sie die bessere Alternative darstellt, dann können Sie mit diesen persönlichen Ergebnissen in das bereits angedachte Personalgespräch gehen.

Bereiten Sie das Gespräch gut für sich selbst vor, indem Sie sich über Ihre Bedingungen und Interessen, Ihre fachlichen Stärken aber auch über Ihre Grenzen, die Sie wirklich akzeptieren können, sicher sind.

Je besser Sie ihre eigenen Bedürfnisse und auch Ihre Möglichkeiten an Zugeständnissen gegenüber Ihrem Arbeitgeber kennen, um so souveräner können Sie in die Verhandlung gehen. Stellen Sie auch Ihre Fähigkeiten und beruflichen Stärken/Erfolge belegbar heraus.

Zeigen Sie auf, wie Ihre Arbeitserfolge ganz natürlich unter einer Überlastung leiden und bis wohin Sie gehen können und entgegen kommen. Bisher sind Sie von einer Kündigung ausgenommen worden. Das lässt auf Ihren Nutzen für das Unternehmen schliessen.

Kündigen Sie den Gesprächswunsch mit einem verantwortlichen/entscheidenden Vorgesetzten und das Gesprächsthema frühzeitig an. Hinterfragen Sie (noch einmal) die Gründe für die derzeitige Situation und die zukünftige betriebliche Ausrichtung, insbesondere hinsichtlich Ihres Arbeitsaufwands/der Aufgaben und der Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes. Verdeutlichen Sie Ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten (ohne zu drohen) und versuchen Sie, die Argumente der anderen Seite zu verstehen. Schlagen Sie vor, gemeinsam Lösungsmöglichkeiten in Ihrem und im Sinne der Firma aufzustellen und bitten Sie darum, die Gesprächsergebnisse zu protokollieren. Das Protokoll bitte anschließend Ihrem Vorgesetzten/Gesprächspartner zur Kenntnis und Abzeichnung vorlegen (eigene Kopie nicht vergessen).


Dialognummer: 1459
Stand: 14.11.2002

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