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Nutzerpfad: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Gefährdungsbeurteilung > Spezifische Gefährdungen
Stichworte: Muss ein Unternehmen einen Rettungsplan erstellen, sobald Personen an absturzgefährdeten Stellen auf bzw. an Dächern unter Sicherung arbeiten?

Frage:

Ich habe Fragen zur Gefährdungsbeurteilung bei Arbeiten mit Absturzgefahr:

1. Muss ein Unternehmen einen Rettungsplan erstellen, sobald Personen an absturzgefährdeten Stellen auf bzw. an Dächern unter Sicherung arbeiten?

2. Was muss in diesem Plan vorhanden sein, wass sollte in diesem Plan vorhanden sein (Muss aus diesem Plan hervorgehen, wie eine Rettung eines im Rettungsgeschirr hängenden Verunfallten ggf. bewusstlosen Mitarbeiters binnen ca. 20 min. möglich ist?)

Auszug BGR 198 - Ziffer 6.1.11

Für den Fall eines Absturzes ist durch geeignete Maßnahmen eine unverzügliche Rettung zu gewährleisten. Durch längeres Hängen im Auffanggurt können Gesundheitsgefahren auftreten.

Achtung, kein längeres Hängen im Auffanggurt als 20 Minuten.

Auch wenn keine äußeren Anzeichen auf eine Verletzung schließen lassen, sollte die Person in eine Kauerstellung gebracht werden. Die Überführung in eine flache Lage darf nur allmählich geschehen. Eine ärztliche Untersuchung zur Beurteilung des Gesundheitszustandes ist unbedingt erforderlich.

Bei längerem Hängen im Auffanggurt besteht die Gefahr des Hängetraumas (orthostatischer Schock). Durch plötzliche Flachlagerung besteht akute Lebensgefahr infolge Herzüberlastung bzw. Nierenversagen.)


Antwort :

Das Arbeitsschutzgesetz -ArbSchG- in Verbindung mit den dazu erlassenen Rechtsverordnungen wie z. B. die Arbeitsstättenverordnung -ArbStättV-, die Betriebssicherheitsverordnung -BetrSichV-, u.s.w. fordern vom Arbeitgeber, dass er mögliche für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen ermittelt und die erforderlichen Maßnahmen festlegt. Dabei ist das berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerk einzubeziehen.

Die von Ihnen in der Frage angesprochene DGUV Regel 112-198 (bisher: BGR/GUV-R 198) "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz" liegt derzeit in der Fassung 03/2011 vor. Die genannte Ziffer 6.1.11 bezieht sich auf die Ausgabe 10/2004.

In der aktuellen Fassung der DGUV Regel 112-198 finden sich jetzt unter Ziffer 6.1.9 folgende Ausführungen:

"Das vom Unternehmer gewählte Sicherungsverfahren aus dem Bergsport ist der zuständigen Berufsgenossenschaft mindestens 14 Tage vor Beginn der Arbeiten anzuzeigen.

• Achtung, kein längeres bewegungsloses Hängen im Auffanggurt als ca.20 Minuten.
• Wenn keine äußeren Anzeichen auf eine Verletzung schließen lassen und ist die Person nicht bewusstlos oder liegt kein Atemstillstand vor, sollte die Person in eine Kauerstellung gebracht werden. Die Überführung in eine flache Lage darf nur allmählich geschehen. Eine ärztliche Untersuchung zur Beurteilung des Gesundheitszustandes ist unbedingt erforderlich.
Bei längeren bewegungslosen Hängen im Auffanggurt besteht die Gefahr des Hängetraumas (orthostatischer Schock). Durch plötzliche Flachlagerung besteht akute Lebensgefahr infolge Herzüberlastung durch raschen Rückfluss des Blutes aus der unteren Körperhälfte.

Nähere Informationen zur Notfallsituation Hängetrauma siehe unter
www.dguv.de/erstehilfe " (siehe auch DGUV Information 204-011 (bisher: BGI/GUV-I 8699) "Erste Hilfe - Notfallsituation: Hängetrauma").

Dort wird darauf hingewiesen, dass Einzelheiten zu möglichen Rettungsmaßnahmen bzw. deren Planung die DGUV Regel 112-199 (bisher: BGR/GUV-R 199) "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen" enthält. In der DGUV Regel 112-199 wird u.a. folgendes ausgeführt:
3.2.9 Betriebsanweisung
Für die Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen hat der Unternehmer eine Betriebsanweisung zu erstellendie alle für den sicheren Einsatz erforderlichen Angaben, insbesondere die Gefahren entsprechend der Gefährdungsermittlung, das Verhalten bei der Benutzung der persönlichen Schutzausrüstungen und bei festgestellten Mängeln, enthält. Sie ist dem Benutzer am Einsatzort zur Verfügung zu stellen.

Ein Muster einer Betriebsanweisung ist in Anhang 2 dargestellt.

3.2.10 Unterweisung
Der Unternehmer hat die Versicherten nach § 12 Arbeitsschutzgesetz und § 4 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) vor der ersten Benutzung und nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, zu unterweisen.

Die Unterweisung muss mindestens umfassen:

• besondere Anforderungen für die einzelnen Ausrüstungsbestandteile,
• die bestimmungsgemäße Benutzung,
• das richtige Anschlagen,
• praktische Übungen,
• die ordnungsgemäße Aufbewahrung,
• das Erkennen von Schäden.

Das bedeutet, dass ein Rettungsplan nicht explizit gefordert wird, sondern dass im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und festzulegen ist, welche Maßnahmen zum Schutze der Beschäftigten und ggf. Retten aus Höhen und Tiefen erforderlich sind. Diese Maßnahmen muss der Arbeitgeber mit Unterstützung des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit eigenverantwortlich festlegen.


Dialognummer: 14385
Stand: 19.01.2015

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