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Stichworte: Darf in elektrischen Schaltanlagen alleine gearbeitet werden?

Frage:

Ich bin bei den Stadtwerken für Anlagen zur Stadtentwässerung zuständig.
U.A. geht es dabei um die Überprüfung elektrischer Schaltanlagen. Diese sind natürlich überall im Stadtgebiet verteilt, z.T. auch dort, wo weit und breit kein Mensch ist.

Darf man da allein arbeiten (an und in elektrischen Schaltanlagen) oder müssen es immer mindestens zwei Personen (eine Person für Hilfe im Notfall) sein?
Ich brauche natürlich einen Verweis auf BG-Vorschriften und/oder Gesetzestexte, wo das Thema gehandelt wird.

Antwort :

Bei Tätigkeiten der Stadtentwässerung / Abwassentsorung sind Einstiege in Schächte und Kanäle erforderlich. Beim Befahren von und dem Arbeiten in Schächten besteht eine erhöhte Gefährdung, weshalb diese Tätigkeiten als gefährliche Arbeiten nach § 8 DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention" eingestuft werden kann. Aus diesem Grunde kommt der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung und der Festlegung der hieraus abgeleiteten erforderlichen Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Diese Arbeiten, sollten im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung immer von mindestens zwei Personen ausgeführt werden. Darüber hinaus sind bei der Arbeitsablauforganisation folgende Maßnahmen zu berücksichtigen:
- Unterweisung,
- Betriebsanweisung / Arbeitserlaubnis,
- Aufsichtführender,
- Notfall- und Rettungsmaßnahmen und
- Berücksichtigung der Gefährdungen (elektr.- und biologische Gefährdung, Sauerstoffmangel und Gefahrstoffeinwirkung und der Arbeitsumgebung / Absturzgefahr etc.).

Mit § 8 (2) DGUV Vorschrift 1 wird der Arbeitgeber bei der Ausführung einer "gefährlichen Arbeit" in Alleinarbeit verpflichtet, über die allgemeinen Schutzmaßnahmen hinaus für geeignete technische oder organisatorische Personenschutzmaßnahmen zu sorgen. Zur Bewertung und Festlegung von Maßnahmen bei der Alleinarbeit sind z. B. die Ausführungen der
DGUV Regel 112-139 (bisher: BGR/GUV-R 139) zu beachten. Bei der Festlegung der Maßnahmen ist auch der Grad der Qualifikation des Alleinarbeitenden zu berücksichtigen. So kann eine Elektrofachkraft mit z.T. bestimmten gefährlicheren Aufgaben eher betraut werden, als eine elektrotechnisch unterwiesene Person.

Handelt es sich um Tätigkeiten, die überwiegend oberirdisch ohne Absturzgefahren, d. h. ohne Einstieg in Schächte oder Aufstieg auf Masten und Leitern, erfolgt, kann der Arbeitgeber im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung durchaus zu einer anderen Einschätzung der Einzelarbeit kommen.

Dies spiegelt sich in einem Bericht der Berufsgenossenschaft BG ETEM zur Tätigkeit von spartenübergreifenden Netzmonteuren wieder:
"Im praktischen Betrieb muss er (Netzmonteur) allein und selbstständig die anstehenden Tagesaufgaben abarbeiten. Sein Bezugspunkt ist dann das Netzmonteurfahrzeug, mit dem er seine Arbeit vom Wohnort aus antritt. Das Netzmonteurfahrzeug ist dabei Werkstatt und Büro in einem. Auftretende Störungen behebt er selbst oder organisiert die Störungsbeseitigung über Fremdfirmen. Er ist Ansprechpartner der Kunden für alle Versorgungssparten, sei es Gas, Wasser oder Strom. In seinem Netzgebiet hat er neben der Sicherstellung der Versorgungsqualität auch die Anlagenverantwortung." ......."Das Netzmonteurfahrzeug ist so ausgerüstet, dass Schwerpunktmaterialien, Werkzeuge und Prüfgeräte für alle Sparten mitgeführt werden. Dazu gehören die in einer Minimalausrüstungsliste enthaltenen Arbeitsmittel, wie z. B. Erdungsgarnituren, Schaltstangen, Abquetschvorrichtungen, Schaufel und Leitkegel. Zu den mitgeführten Ersatzmaterialien gehören auch Gas- und Wasserzähler sowie Gasdruckregler.
Der Büroteil ist mit umfassender Kommunikationstechnik ausgerüstet, so dass der Netzmonteur nicht nur seine Terminverwaltung, Faxe und E-Mails erledigen, sondern auch Montagepläne aufrufen und bearbeiten kann und Zugriff auf schematische Netzpläne, Sachdaten und Schaltprogramme hat." 
(
http://ew.bgetem.de/praevention/arbeits_gesundheits/netzmonteur/netz.html -> Netzmonteur.

Eine Gesamtübersicht über die Vorgehensweise bei Einzelarbeitsplätzen in der Ver- und Entsorgung, der auch für andere Arbeitsbereiche benutzt werden kann, mit Gefährdungsstufen, Bewertungskriterien, Notfallwahrscheinlichkeiten und Hilfsmaßnahmen, finden Sie auf der Homepage der Berufsgenossenschaft BG ETEM (Branchenverwaltung Energie- und Wasserwirtschaft
.

Das berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerk finden Sie über die Seiten der DGUV unter: www.dguv.de/publikationen.


Dialognummer: 14291
Stand: 04.11.2015

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