Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Konsequenzen aus Befunden
Stichworte: Darf ein Mitarbeiter entgegen einem ärztlichem Attest auf eigenen Wunsch an seinem staubbelasteten Arbeitsplatz weiterarbeiten?

Frage:

Ein Mitarbeiter mit Lungenbeschwerden soll wegen eines ärtzlichen Attestes nicht mehr an seinem alten Arbeitsplatz arbeiten. Der Mitarbeiter strahlt überwiegend Kleinteile in einer Handstrahlmaschine. Der Arbeitsbereich ist staubbelastet. Der Mitarbeiter möchte aber trotz des Attestes an seinem alten Arbeitsplatz weiterarbeiten.

Darf der Unternehmer den Mitarbeiter auf seinen Wunsch weiter zum Strahlen einsetzen? Ist es ausreichend, einen verbesserten umluftunabhängigen Atemschutz einzusetzen?

Antwort :

Je nach Tätigkeit und Gefährdung muss der Arbeitgeber den Beschäftigten Vorsorgeuntersuchungen anbieten oder diese
verpflichtend veranlassen. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen auf Wunsch der Beschäftigten. Der Betriebsarzt hat spezifische Kenntnisse über die Arbeitsplätze, deshalb sollte der bestellte Betriebsarzt mit der Durchführung der Untersuchung und Beratung beauftragt werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind überwiegend in der
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt. Darüber hinaus finden sich weitere Rechtsgrundlagen beispielsweise in der Röntgenverordnung, Strahlenschutzverordnung, Druckluftverordnung und Gesundheitsschutzbergverordnung.
Empfehlungen zur Durchführung der Untersuchungen geben die Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (jetzt
Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge GUV-I/BGI 504 -XX). Sie stellen den Stand der Arbeitsmedizin dar.

Untersuchungen auf Wunsch des Beschäftigten; zum Beispiel bei vermutetem Zusammenhang einer Erkrankung mit
den Arbeitsbedingungen, bei Untersuchungen zu besonderen Fragestellungen (Zweitmeinung zur Klärung der Arbeitsplatzrelevanz), bei Betreuung nach Extremerlebnissen und bei Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und ärztlichen Attesten kann eine Untersuchung auf Wunsch des Beschäftigten durchgeführt werden.

Führt der Betriebsarzt Eignungsuntersuchungen durch, sollte er den zu untersuchenden Mitarbeiter über Unterschiede zu den arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen aufklären.
(
http://www.dguv.de/inhalt/praevention/fachaus_fachgruppen/arbeitsmedizin/produkte/leitfaeden/index.jsp)

Neben dem Arbeitsschutzgesetz ist für den im Arbeitsschutz verantwortlichen Arbeitgeber generell auch die Gefahrstoffverordnung zu beachten. Diese sieht konkret eine Gefährdungsbeurteilung und das Ergreifen von Maßnahmen zur Optimierung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen vor. Darüber hinaus können sich in der Gesundheit des Beschäftigten begründete Besonderheiten ergeben.

Grundsätzlich sollte der Arbeitgeber versuchen, den Empfehlungen des Betriebsarztes bzw. einem Attest eines Mediziners nachzukommen und den Arbeitsplatz für den Mitarbeiter so zu gestalten, dass seine Gesundheit bei der Tätigkeit nicht gefährdet wird. Wenn eine Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz bei vorliegenden gesundheitlichen Gefährdungen des Mitarbeiters nicht möglich ist, so raten wir Ihnen, unter Einbeziehung des Beschäftigten sowie sämtlicher beteiligter Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz (insb. Betriebsarzt und Sicherheitsfachkraft) eine Arbeitsplatzbegehung vorzunehmen, die Gefährdungen für den Mitarbeiter in Hinsicht auf die Empfehlungen des Betriebsarztes zu analysieren und gemeinsam Lösungen für eine Optimierung des Arbeitsplatzes in diesem Sinne zu finden. Diese Arbeitsplatzbegehung und spezielle Gefährdungsbeurteilung mit den gemeinsam festgelegten resultierenden Maßnahmen empfehlen wir schriftlich zu dokumentieren.

Ob sie den Mitarbeiter an dem beschriebenen Arbeitsplatz einsetzen können, ggf. auf eigenen Wunsch des Mitarbeiters, können wir von hier nicht beantworten. Wir empfehlen eine Kontaktaufnahme mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde oder Berufsgenossenschaft, um diese Frage gemeinsam zu klären. Unter
http://lasi.osha.de/de/gfx/systems/laenderkarte.php finden Sie die zuständigen Landesbehörden.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter
www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.

Dialognummer: 13944
Stand: 21.06.2011

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.