Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Beauftragte / Bestellte > Baustellenkoordinatoren
Stichworte: Unter welchen Voraussetzungen hat eine Fachkraft für Arbeitssicherheit die Qualifikation als Baustellenkoordinator?

Frage:

Unser Betrieb plant den Neubau eines Büro- und Wohngebäudes. Gemäß § 3 BaustellV ist für diese Arbeiten ein Koordinator vom Bauherrn zu stellen. In unserem Betrieb (Baufirma mit Schwerpunkt Abbruch und Erdbau) ist ein Diplom-Ingenieur (FH) aus der Fachrichtung Bauingenieurwesen tätig. Dieser hat auch die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgreich absolviert und ist bereits seit mehr als zehn Jahren in der Abwícklung von Bauprojekten auf Auftragnehmerseite tätig.

FRAGE:
Die einschlägige RAB 30 nennt als Qualifikationskriterien für einen geeigneten Koordinator im Sinne der BaustellV:
4.1) Baufachliche Kenntnisse
4.2) Arbeitsschutzfachliche Kenntnisse
4.3) Spezielle Koordinatorenkenntnisse
4.4) Berufserfahrung

Unserer Meinung nach sind die Voraussetzungen 4.1), 4.2) und 4.4) aufgrund der Ausbildung und Arbeitsdauer gegeben.
Ist es ausreichend, nur noch eine Fortbildung nach Anlage C der RAB 30 zur Erlangung der speziellen Koordinatorenkenntnisse zu absolvieren oder sind weitergehende Qualifikationen zu erbringen
(z. B. auch der Nachweis nach Anlage B, obwohl die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit bereits tiefergehende Kenntnisse zum Arbeitsschutz vermittelt)?
Reichen unter Umständen die vorhandenen Kenntnisse des Mitarbeiters aus?

Antwort :

Die Qualifikation des SiGeKo ist in der technischen Regel RAB 30: Geeigneter Koordinator (Konkretisierung zu § 3 BaustellV) htwww.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Baustellen/RAB/Rechtstexte.html  geregelt.

Nach dem Fragenkatalog der BAuA zum Themenkomplex 08 "Koordinator" wird ausgeführt, dass die Qualifikationskriterien der RAB 30 empfehlenden Charakter haben. "Sie sollen den Bauherren unterstützen, einen geeigneten Koordinator für ein bestimmtes Bauvorhaben zu finden. Er muss der Empfehlung nicht folgen, wenn er von der Eignung eines bestimmten Koordinators für ein spezielles Bauvorhaben überzeugt ist."

Der Begriff "geeigneter Koordinator" und die ihm je nach Art und Umfang des Bauvorhabens abzuverlangenden Kenntnisse und Erfahrungen werden in der Regel zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) 30 konkretisiert.
"Geeigneter Koordinator im Sinne der BaustellV ist, wer über ausreichende und einschlägige
- baufachliche Kenntnisse,
- arbeitsschutzfachliche Kenntnisse und Koordinatorenkenntnisse sowie
- berufliche Erfahrung in der Planung und/oder der Ausführung von Bauvorhaben verfügt, um die in § 3 Abs. 2 und 3 BaustellV genannten Aufgaben fachgerecht erledigen zu können."

"Für die Tätigkeit als Koordinator ist in der Regel eine Ausbildung als Architekt oder Ingenieur erforderlich. .......

Die Anlagen B und C der RAB 30 beschreiben wesentliche Inhalte für die Vermittlung der arbeitsschutzfachlichen Kenntnisse und speziellen Koordinatorenkenntnisse; dazu werden von verschiedenen Trägern auch Lehrgänge angeboten.
Der Koordinator muss bereit und in der Lage sein, sich für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen aktiv einzusetzen. Er muss die Fähigkeit besitzen, Arbeitsabläufe systematisch, vorausschauend und gewerkeübergreifend zu durchdenken, sich anbahnende Gefährdungen zu erkennen und die gebotenen Koordinierungsmaßnahmen zu treffen. Der Koordinator muss neben diesen Kenntnissen und Fähigkeiten auch über ein hinreichendes Maß an Sozialkompetenz zur Wahrnehmung seiner Aufgaben verfügen. Er muss insbesondere die Fähigkeit zur Arbeit im Team, zur Führung kooperativer Prozesse sowie zur sachdienlichen Kommunikation besitzen.
Die BaustellV sieht keinen gesonderten Qualifikationsnachweis für den Koordinator vor.  Der Bauherr muss sich jedoch von der Eignung des Koordinators überzeugen.
Der Koordinator hat gegenüber dem Bauherrn für das konkrete Bauvorhaben nachzuweisen, dass er über die dafür erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen verfügt. Legt er entsprechende Zeugnisse, Bescheinigungen oder Referenzen vor, kann der Bauherr von seiner Eignung ausgehen.
Die Funktion und Stellung des Koordinators muss so ausgestaltet sein, dass er die erforderliche Akzeptanz anderer Planungs- und Ausführungsbeteiligter erfährt und er sich seiner Aufgabe auch in zeitlicher Hinsicht ausreichend und wirkungsvoll widmen kann."

"Eine Sicherheitsfachkraft, deren arbeitsschutzfachliche Kenntnisse die für Bauvorhaben erforderlichen Kenntnisse umfassen, kann Koordinationsaufgaben nach BaustellV wahrnehmen, wenn sie geeignet ist, d. h. über die für das spezielle Bauvorhaben erforderlichen baufachlichen Kenntnisse und Erfahrungen sowie über spezielle Koordinatorenkenntnisse verfügt."

"Der Koordinator ist nicht für alle Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes auf der Baustelle verantwortlich.
Nach § 3 BaustellV ist der Koordinator für die Koordination der in der BaustellV verankerten baustellenspezifischen Arbeitsschutzmaßnahmen sowohl bei der Planung der Ausführung eines Bauvorhabens als auch bei der Koordinierung der Bauausführung verantwortlich." 


Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir von hier aus keine Entscheidung treffen können, welche Qualifikationen im konkreten Fall die Fachkraft für Arbeitssicherheit ggf. noch benötigt, um
Koordinationsaufgaben nach BaustellV wahrnehmen zu können. 

Wir empfehlen, diese Fragestellung mit der vor Ort zuständigen Arbeitsschutzbehörtde zu erörtern und zu klären.


Dialognummer: 13729
Stand: 19.05.2011

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.