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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Suchtgefährdete, Süchtige > Suchtgefährdete, Süchtige
Stichworte: Wie sollte am besten mit einem alkoholisierten Kollegen umgegangen werden?

Frage:

Ein Kollege von uns hat oft eine "Fahne". Wir glauben, dass er auch während der Arbeitszeit trinkt. Sollen wir ihn darauf ansprechen? Wie sprechen wir ihn am besten an?

Antwort :

Im Umgang mit Suchtkranken oder Suchtgefährdeten werden stets eine Reihe von typischen Fehlhaltungen praktiziert.
Im Einzelnen möchten wir diese Fehlhaltungen nur dahin ansprechen, dass sie darauf hinauslaufen, die Existenz der Sucht
zu leugnen, zu verharmlosen, oder gar Spott damit zu treiben.

Diese im Umgang mit den Suchtkranken praktizierten Verhaltensweisen zeugen von einer Ko-Abhängigkeit, einer eigenen Unfähigkeit mit diesem Problem adäquat umzugehen. Sie führen dazu, die Abhängigkeitsproblematik zu verschärfen. Auch wird ein Suchtverhalten häufig völlig unterschätzt als Charakterschwäche betrachtet. Tatsächlich aber ist Sucht eine Krankheit, wie z.B. Stoffwechselkrankheiten auch.

Hilfreich im Umgang mit einem Suchtkranken sind daher Offenheit und Konsequenz.

Wenn ein Kollege öfters mit einer "Alkoholfahne" angetroffen wird, sollte man ihn direkt fragen, ob er etwas getrunken hat. Aus der Antwort kann man ableiten, wo dieser Mensch im Umgang mit seiner Krankheit selbst steht. Man kann nachfragen, wenn er ausweicht, wann er das letzte Mal etwas getrunken hat. Wenn er leugnet, kann man bekräftigen, dass man seine Fahne riecht.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall hat zum Thema Sucht ein Informationsblatt für den Arbeitsschutzausschuss herausgegeben (ASA-Brief 21).

Betriebe sollten Suchtkranken-Fachleute zur Schaffung eines Stufenplanes innerhalb ihrer Betriebsvereinbarungen
heranziehen, soweit ein solcher mit dem Betriebsrat noch nicht festgelegt worden ist. Im Rahmen der betriebsärztlichen Betreuung sollte der Betriebsarzt beteiligt werden. In dem Stufenplan müssen, von den ersten Kontakten zwischen den Mitarbeitern über die betriebliche Hierarchie hinweg, in Gespräche mit den Fachleuten und dem Betriebsrat die Schritte festgelegt werden, die im Sinne einer angemessenen Konsequenz dem Betroffenen klar machen, dass er krank ist und konkrete Schritte zu seiner Genesung gehen muss.

Es gibt ehrenamtlich tätige Suchtkrankenhelfer, die eine entsprechende Qualifizierung haben und solchen Mitarbeitern zur Seite gestellt werden können.

Wenn sich die Alkoholkranken den angebotenen Maßnahmen verweigern, müssen in einem offenen Prozess Vereinbarungen getroffen werden, die bei Nichteinhaltung zu einer offen im voraus erklärten und angezeigten Konsequenz führen, letztlich bis hin zu einer Kündigung wegen Nichterbringung einer Arbeitsleistung. Vor dieser Situation finden sich Alkoholiker früher oder später wieder. Allerdings kann es durchaus auch Jahrzehnte brauchen, bis ein Alkoholiker wirklich so krank geworden ist.

Suchen Sie also den persönlichen Kontakt. Scheuen Sie sich auch selbst nicht, sich die Existenz eines solchen Problems einzugestehen. Wird früh geholfen, sind die Aussichten einer wirksamen, fachärztlichen Therapie gut. Alkoholiker sind nach einer erfolgreichen Therapie oft besonders gereift und für den Betrieb noch wertvollere Mitarbeiter.

Dialognummer: 13461
Stand: 06.08.2014

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