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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel
Stichworte: Dürfen Beschäftigte während des Hebvorgangs eines Pkws mittels Scherenhubtisch im Pkw verbleiben?

Frage:

Wir betreiben einen Scherenhubtisch, der einen PKW über eine Höhe von 1,5 m hebt. Der Heber ist komplett eingekapselt und mit Rolltoren gesichert. Die Bedienung des Hebers erfolgt von außerhalb des Hebers.
Der Ablauf ist momentan wie folgt:
Das Fahrzeug wird in den Heber eingefahren, der Mitarbeiter verlässt das Fahrzeug, betätigt ausserhalb des Hebers den "Start" Knopf, das Rolltor schließt sich, der Heber hebt das Fahrzeug 1,5 m hoch. In Endposition des Hebers öffnet sich das Rolltor auf Ebene 1,5 m. Der Mitarbeiter ist während des Hebevorgangs über eine Treppe auf Ebene 1,5 m gegangen, betritt den Heber und fährt das Fahrzeug heraus.
Wir überlegen uns momentan, ob der Mitarbeiter, der das Fahrzeug einfährt während des Hebevorgangs im Fahrzeug/Heber verbleiben kann, um Prüftätigkeiten am Fahrzeug durchzuführen.
Aufgrund der geringen Geschwindigkeit von unter 0,15 m/s handelt es sich um eine Maschine und keinen Aufzug.

Jetzt meine Fragen:
Sofern die Anforderungen der Maschinenrichtlinie unter Kap. 4 und Kap. 6 erfüllt sind, spricht meiner Meinung nach nichts gegen diese Mitfahrmöglichkeit. Handelt es sich hier dann trotzdem um eine wesentliche Änderung?

Eine offene Frage ist für uns das Thema Personenrettung sowie die Möglichkeit des mitfahrenden Mitarbeiters zur Selbstrettung. Welche Anforderungen sind hier zu berücksichtigen?

Ist es ausreichend, dass der Mitarbeiter bei Auslösung eines Notsignals (ähnlich Aufzug) in einer angemessenen Zeit "von aussen" gerettet wird, oder muss er die Möglichkeit haben, von Innen eine Selbstrettung vornehmen zu können? Was ist hierbei im Brandfall zu beachten?

Antwort :

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist zu ermitteln, welche Gefahren für den mitfahrenden Mitarbeiter bestehen. Und wie Sie schon richtig festgestellt haben, ist die Personenrettung im Notfall nicht sichergestellt. Aus unserer Sicht befindet sich der Mitarbeiter dann in einem "gefangenen Raum". Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung würden wir zu dem Schluß kommen, dass die Gefährdung für den Mitarbeiter zu hoch ist.

Vermutlich ist der Scherenhubtisch nicht für den Personentransport zugelassen, wenn die Bedienungseinheiten im Außenbereich angebracht sind. Dies ist aus der Betriebsanleitung zu entnehmen. Würden Sie den Personenverkehr zulassen, so wäre dies ein nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch. Hierzu sollte der Hersteller des Scherenhubtisches befragt werden.

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung muss der Arbeitgeber Vorkehrungen treffen, dass die Beschäftigten bei Gefahr sich unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Ebenso sind die Forderungen im Anhang 1 und 2 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zu berücksichtigen.
So müssen z.B. nach Ziffer 3.2.4 (Anhang 1 BetrSichV):

"Arbeitsmittel zum Heben oder Fortbewegen von Beschäftigten so beschaffen sein, dass

a) die Gefährdung durch Absturz des Lastaufnahmemittels, sofern ein solches vorhanden ist, mit geeigneten Vorrichtungen verhindert wird;
b) das Herausfallen der Beschäftigten aus dem Personenaufnahmemittel des Arbeitsmittels verhindert ist;
c) die Gefährdung des Quetschens oder des Einklemmens der Beschäftigten oder des Zusammenstoßes mit den Beschäftigten, insbesondere infolge eines unbeabsichtigten Kontakts mit Gegenständen, minimiert wird;
d) die Sicherheit der bei einer Störung im Personenaufnahmemittel festsitzenden Beschäftigten gewährleistet und ihre Befreiung ermöglicht wird."

Hinsichtlich der Befehlseinrichtungen ist zu beachten: "Wenn sich Beschäftigte im Gefahrenbereich aufhalten müssen, dann müssen Befehlseinrichtungen der Arbeitsmittel so beschaffen sein, dass die Arbeitsmittel beim Loslassen der Einrichtungen selbsttätig unverzüglich zum Stillstand kommen. ..... Befehlseinrichtungen zur Steuerung von Bewegungen müssen nach ihrer Betätigung von selbst in die Nullstellung zurückgehen und die eingeleitete Bewegung unterbrechen." .... "Hub-, Fahr- und Drehbewegungen müssen abgebremst und ungewollte Bewegungen müssen verhindert werden können."

Anhang 2 Ziffer 4ff. der BetrSichV konkretisiert: "Der Arbeitgeber hat Vorkehrungen zu treffen, damit ......

- das Heben von Beschäftigten nur mit für diesen Zweck vorgesehenen Arbeitsmitteln und Zusatzausrüstungen erfolgt. Das Heben von Beschäftigten durch hierfür nicht vorgesehene Arbeitsmittel ist ausnahmsweise zulässig, sofern geeignete Maßnahmen ergriffen wurden, welche die Sicherheit gewährleisten und eine angemessene Überwachung sicherstellen.
- beim Heben von Beschäftigten mit Arbeitsmitteln während ihrer Anwesenheit auf der Lastaufnahmeeinrichtung der Steuerstand ständig besetzt ist. Es müssen sichere Mittel zur Verständigung zur Verfügung stehen. Eine Bergung im Gefahrenfall ist im Voraus zu planen. ..."

Ob weitere konkrete Vorgaben bestehen, kann von hier nicht abgeschätzt werden. Dies kann ggf. mit dem Hersteller des Scherenhubtisches und der zuständigen Arbeitsschutzbehörde vor Ort geklärt werden.

Dialognummer: 13162
Stand: 18.06.2012

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