Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Frage:

Dürfen ab dem 01.11.2010 zum Fräsen von Asphaltdecken nur noch Fräsen mit einer Absaugung eingesetzt werden?

Antwort :

Der Arbeitgeber hat nach § 5 "Beurteilung der Arbeitsbedingungen" des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) i.V.m. § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Konkretisiert wird dies in der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 400 "Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen" sowie, soweit es die inhalative Belastung betrifft, in der TRGS 402 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition". In diesem Rahmen hat der Arbeitgeber vor Beginn der Arbeiten festzustellen, ob bei den ausgeführten Tätigkeiten und Verfahren mineralischer Staub durch das Abfräsen freigesetzt wird.

"Beim Kaltfräsen können die im Straßenbaumaterial verwendeten Gesteine zerkleinert werden, dadurch können E-Staub, A-Staub, Quarzstaub und Asbestfasern (wenn mineralische Rohstoffe mit natürlichem Asbestgehalt verwendet wurden) freigesetzt werden."

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind die genauen Arbeitsabläufe, die verwendeten Arbeitsverfahren und die am Arbeitsplatz vorhandenen Arbeits- und Umgebungsbedingungen einzubeziehen. Die Exposition gegenüber mineralischen Stäuben in den betreffenden Arbeitsbereichen ist durch Messungen oder qualifizierte Abschätzungen zu ermitteln. Auf Messungen kann verzichtet werden, wenn für eine Beurteilung der Gefährdungen und qualifizierte Abschätzungen Messergebnisse von vergleichbaren Arbeitsplätzen oder mitgelieferte Gefährdungsbeurteilungen herangezogen werden können.

Nachdem der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die staubbelasteten Arbeitsbereiche und Tätigkeiten ermittelt hat, sind die für diese Tätigkeiten erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen. Dies galt auch schon vor dem 1. November 2010.

Wesentliche Vorgaben zur Ermittlung und Bewertung der Tätigkeit sind der TRGS 559 "Mineralischer Staub" zu entnehmen.
Diesbezüglich ist u. a. die Tabelle (Nr. 7.7) in der Anlage 1 der TRGS 559 heranzuziehen:
Das Abfräsen von Asphaltdecken ohne wirksame Absaugeinrichtung wird der höchsten Expositionskategorie (3) und das Abfräsen von Asphaltdecken mit wirksamer Absaugeinrichtung der mittleren Expositionskategorie (2) zugeordnet.
Die Schutzmaßnahmen leiten sich u. a. aus Ziffer 4 in Verbindung mit Anlage 2 der TRGS 559 ab. Die Stauberfassung und Arbeitsplatzlüftung mit Nachweis einer ausreichenden Wirksamkeit ist für beide Expositionskategorien, neben der Auswahl und dem Betreiben von Maschinen und Geräten
als Schutzmaßnahme derart vorgesehen, sodass möglichst wenig Staub freigesetzt wird.

Beim Kaltfräsen von Verkehrsflächen ist insbesondere die TRGS 517 "Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen" relevant. Die aufgeführten Schutzmaßnahmen der TRGS 517 sind anzuwenden, wenn bei der Bestimmung des Massengehalts an Asbest im be- oder verarbeiteten mineralischen Rohstoff oder daraus hergestellten Zubereitungen oder Erzeugnissen Asbest nachgewiesen wurde. Hierzu sind dann u. a. die Nummern 4 und 5.7 der TRGS 517 relevant: So ist z. B. nach Nr. 5.7.2.1 bei Tätigkeiten bei der die Asbestfaserexposition von 15.000 Fasern/m³ überschritten wird, der beim Fräsen entstehenden Staub durch Wasserbenetzung niederzuschlagen. Das Trockenfräsen ist grundsätzlich nicht zulässig. Der frei werdenden Staub ist an der Entstehungsstelle (Fräswalzengehäuse) abzusaugen; die Förderbandübergabestellen ist mit einer Absaugung auszustatten.

Zur weiteren Konkretisierung der Gefährdungsbeurteilung und der Schutzmaßnahmen kann die BGI 790-20 "Einsatz von Straßenfräsen mit Absauganlagen – Fräsen von Asphaltbelägen" herangezogen werden.


Dialognummer: 12380
Stand: 15.06.2012

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.