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Nutzerpfad: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Strahlenschutzorganisation
Stichworte: Wird die Strahlenschutzverordnung auch bei Sammlern von radioaktiven Mineralien angewendet?

Frage:

Wird die Strahlenschtzverordnung auch bei Sammelern von radioaktiven Mineralien angewendet?
Hintergrund: einige gewerbliche Mineralienhändler bieten beispielsweise Pechblende (Uraninit, Gehalt an Uran-238 ca. 80%) in 20 bis 100 Gramm schwere Mineralien an, die Freigrenze dürfte hierbei deutlich überschritten sein.
Darf ein Mineraliensammler so ein Stück genehmigungsfrei erwerben bzw. besitzen ?

Antwort :

Der Begriff sammeln taucht in der Strahlenschutzverodnung - StrlSchV nicht auf. Es wird unterstellt, dass die Mineralien nicht deshalb "gesammelt" werden, weil sie radioaktiv sind. Es wird weiter unterstellt, dass die Mineralien nicht aufgesucht bzw. abgebaut und dann gesammelt werden (Bergrecht).

Mineralien, die Radionuklide natürlichen Ursprungs enthalten (z.B. Pechblende) sind Material i.S.d. § 3 Abs. 2 Nr. 20 StrlSchV. Sie sind aber keine radioaktiven Stoffe i. S. des zweiten Teils der Verordnung, da sie nicht als Kernbrennstoff oder zu deren Erzeugung genutzt werden. Vielmehr sind die Regelungen nach Teil 3 StrlSchV anzuwenden.

Teil 3 StrlSchV fordert keine Genehmigungspflicht nach § 7 StrlSchV, auch dann nicht, wenn die Freigrenzen nach Anlage III, Tabelle 1, Spalte 3 der StrlSchV überschritten werden.

Die §§ 93, 94 und 102 StrlSchV können jedoch Anwendung finden, wenn es sich bei den Handlungen um Arbeiten i. S. von § 3 Abs. 1 Ziffer 2a StrlSchV handelt und diese Arbeiten i. S. von § 2 Abs. 1 Nr. 2 StrlSchV aufgrund der Strahlenexpositionen von Personen nicht außer Acht gelassen werden können. Letzteres ist anzunehmen, da z. B. das Lagern dieser Mineralien in der Nähe von Menschen erhöhte Strahlenexpositionen oder Kontaminationen hervorrufen kann (> 1 mSv/a). Die spezifische Aktivität der Pechblende (Uraninit oder Uranpecherz) ist mit etwa 157 kBq/g bezogen auf Usec vergleichweise hoch und kann im Extremfall an der Oberfläche eine Dosisleistung von 200 μSv/h aufweisen. Zudem ist mit einer nicht zu vernachlässigenden Radonemanation bei der Lagerung größerer Mengen Pechblende zu rechnen.

Je nach dem, wie viel Pechblende gelagert bzw. als Mineral ausgestellt wird und unter welchen Randbedingungen dies geschieht, wäre mit Blick auf die hohe spezifische Aktivität der Pechblende abzuschätzen, ob das Schutzkriterium (1 mSv/a für Einzelpersonen der Bevölkerung) eingehalten wird. Falls nicht, muss die Behörde i.S.d. § 102 StrlSchV Maßnahmen ergreifen.
Die Handlungen mit diesen Mineralien sollten also so erfolgen, dass Kontaminationen und erhöhte Strahlenexpositionen (> 1 mSv/a) vermieden werden (Begrenzung der Menge, abgeschirmte Aufbewahrung, emanierende Stoffe möglichst gasdicht mit Aktivkohle in Behältern aufbewahren).

Dialognummer: 12369
Stand: 10.11.2010

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