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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Raumtemperaturen
Stichworte: Besteht für die Umsetzungen der Anforderungen aus der neuen ASR A3.5 "Raumtemperaturen" für größere Hallen mit inneren Wärmelasten Bestandsschutz?

Frage:

Die neue ASR "Raumtemperaturen" ist in 2010 in Kraft getreten.
Was ist nun, wenn auf Grund der wirtschaftlichen Möglichkeiten es einem Unternehmen nicht möglich ist, eine grosse Halle zu klimatisieren, oder gibt es hier sogar etwas wie einen Bestandsschutz, so dass überhaupt nichts gemacht werden muss?
Hintergrund: eine Halle mit mehr als 2000 qm mit Fenstern im Dach heizt sich im Sommer dermassen auf, dass in der Halle selbst Temperaturen von über 32 °C (z.T. höher!) herrschen und es zudem Bereiche gibt, wo Maschinen die Temperatur durch Wärmestrahlung noch weiter in die Höhe treiben.
Gilt es grundsätzlich, zuerst technische Möglichkeiten zu ergreifen, egal wie alt das Gebäude ist? Eine Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich Raumtemperaturen liegt nicht vor.
Müssen Kollegen zur Vorsorgeuntersuchung (Hitzearbeit), wenn lediglich während der Sommerzeit Temperaturen im Raum von über 36 °C vorherrschen?

Antwort :

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vom August 2004 fordert für Arbeitsräume gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen und den Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung, eine maximal zulässige Temperatur wird aber nicht genannt.

Schon vor der Arbeitsstätten-Regel ASR A 3.5 bestand eine konkretisierende Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 6 "Raumtemperaturen" vom Mai 2001. Diese legte in Punkt 3.3 fest, dass "die Lufttemperatur in Arbeitsräumen +26 °C nicht überschreiten soll". Der oben beschriebene "Sommerfall" wurde zusätzlich in der ASR 6 Punkt. 3.3 mit einem Nachsatz derart geregelt, dass "bei darüber liegender Außentemperatur in Ausnahmefällen die Lufttemperatur höher sein darf." Wie oft und um wieviel Grad war nicht festgelegt.

Durch die neue Arbeitsstättenregel ASR A3.5 "Raumtemperatur" vom Juni 2010 ändert sich am Schutzziel zunächst nichts. Die ASR A3.5 legt im Punkt 4.2 Abs. 3 fest, dass die Lufttemperatur in Arbeits- und Sozialräumen +26 °C nicht überschreiten soll. Der oben beschriebene "Sommerfall" wird zusätzlich in der ASR A3.5 mit einem gesonderten Punkt. 4.4 geregelt. Hier wird "neu" für Außenlufttemperaturen von über +26 °C ein Stufenmodell mit zu beachtenden Randbedingungen und nötigen Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten beschrieben. Dabei können die Beschäftigten bei Lufttemperaturen in Arbeitsräumen in den Stufen bis +30 °C, bis +35 °C und darüber weiter tätig sein, vorausgesetzt der Arbeitgeber ergreift geeignete Schutzmaßnahmen. Trotz dieser neuen Regelungen gibt es für Beschäftigte keinen direkten Rechtsanspruch auf z. B. klimatisierte Räume oder "Hitzefrei".

Randbedingungen und Beispiele werden in der ASR A3.5 genannt. Die Schutzmaßnahmen sind individuell mit einer Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG festzulegen. Arbeitgeber und Beschäftigte müssen im gegenseitigen Einvernehmen durch geeignete Maßnahmen die Situation meistern. Verschiedene technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen, aber auch das persönliche Verhalten jedes Einzelnen können dazu beitragen
. (Quelle: www.baua.de). Unter diesem Link finden Sie auch weitergehende Informationen sowie Empfehlungen für heiße Sommertage in Arbeitsstätten.

Die ASR 3.5 finden Sie unter http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Arbeitsstaetten/ASR/ASR-A3-5.html 

Gemäß des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung (Ziffer 3.5, Abs.2) müssen Fenster, Oberlichter und Glaswände je nach Art der Arbeit und der Arbeitsstätte eine Abschirmung der Arbeitsstätten gegen übermäßige Sonneneinstrahlung ermöglichen.

Grundsätzlich genießen baurechtlich genehmigte Gebäude Bestandsschutz, falls sie den zur Zeit der Erstellung geltenden Rechtsvorschriften entsprochen haben.
Für diese Arbeitsstätten gelten aber, abhängig vom Datum der Errichtung (siehe § 8 Abs. 1 ArbStättV), die Mindestanforderungen des Anhangs II der EG-Arbeitsstättenrichtlinie (Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz) in bereits genutzten Arbeitsstätten - Richtlinie 89/654/EWG).

Ab Ziffer 7 der Richtlinie wird folgendes ausgeführt:
"7.1 In den Arbeitsräumen muss während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der angewandten Arbeitsmethoden und der körperlichen Beanspruchung der Arbeitnehmer eine Raumtemperatur herrschen, die dem menschlichen Organismus angemessen ist.
7.2 In Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Sanitätsräumen muß die Temperatur dem spezifischen Nutzungszweck der Räume entsprechen."

Wann Hitzearbeit vorliegt, wird in BGI 7002 und BGI 579 beschrieben. Diese liefern auch Informationen zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen (http://publikationen.dguv.de ).


Dialognummer: 11540
Stand: 01.06.2012

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