Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte
Stichworte: Gibt es EKA-Werte für Ni-Sulfat?

Frage:

Gibt es EKA-Werte (=Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe) für Ni-Sulfat und wenn ja, welche? Sind ersatzweise die EKA-Werte für Ni (Metall) anwendbar? Gibt es neue Vorschläge zu diesen EKA-Werten, z.B. vom AGS?

Antwort :

Der Biologische Arbeitsplatz-Toleranzwert (BAT-Wert) ist die beim Menschen höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes bzw. Arbeitsstoffmetaboliten in Körperflüssigkeiten (Blut, Urin) oder die dadurch ausgelöste Abweichung eines biologischen Indikators von seiner Norm. Unterhalb dieses Grenzwertes ist nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Kenntnis im allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten auch dann nicht beeinträchtigt, wenn sie durch Einflüsse des Arbeitsplatzes regelmäßig erzielt wird. BAT-Werte dienen im Rahmen spezieller ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen dem Schutz der Gesundheit am Arbeitsplatz. Sie geben eine Grundlage für die Beurteilung der Bedenklichkeit oder Unbedenklichkeit vom Organismus aufgenommener Arbeitsstoffmengen ab. BAT-Werte werden wie MAK- und TRK-Werte vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) rechtlich verbindlich festgelegt und in den Technischen Regeln 903 (TRGS 903) veröffentlicht.

Für krebserzeugende Arbeitsstoffe der Kategorien 1 bis 3 dagegen können meistens keine arbeitsmedizinisch begründeten biologischen Toleranzwerte (BAT) angegeben werden. Für diese Stoffe werden daher von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG-Senat) Beziehungen zwischen den Stoffkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz (äußere Belastung) und den Konzentrationen der Stoffe bzw. Metabolite in biologischen Materialien (innere Belastung), sog. Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA-Werte) aufgestellt. Aus ihnen kann entnommen werden, welche innere Belastung sich bei ausschließlicher inhalativer Stoffaufnahme ergibt.

Im Gegensatz zu BAT-Werten sind EKA-Werte im Gefahrstoffrecht nicht rechtverbindlich und müssen daher auch zur Wahrnehmung der Überwachungspflicht nach § 18 Gefahrstoffverordnung (§ 18 GefStoffV) hinzugezogen werden. In den Technischen Regeln für Gefahrstoffe 710 zum Biomonitoring (TRGS 710) wird jedoch vom AGS ausdrücklich empfohlen, bei nicht nach TRGS 903 vorliegenden BAT-Werten auch EKA-Werte aus der MAK- und BAT-Werte-Liste der DFG (DFG-MAK) sowie Referenzwerte für die Allgemeinbevölkerung zur Beurteilung der Analysenergebnisse heranzuziehen. Inwieweit im Rahmen der erwarteten Novelle der GefStoffV auch EKA-Werte rechtlich verbindlich werden könnten, ist im AGS noch in Diskussion.

Insbesondere bei Nickelmetall und schwerlöslichen Nickel-Verbindungen - Nickeloxid, -carbonat und -sulfid sowie sulfidischen Erzen - wurde eine bei Menschen krebserzeugende Wirkung, allerdings nur bei inhalativer Aufnahme nachgewiesen. Dieser Nachweis gelang bisher nicht bei wasserlöslichen Nickelverbindungen wie z.B. Nickelchlorid und -sulfat. Der für Arbeitsplätze gültige Grenzwert (TRK-Wert) beträgt 0,5 mg/m³ für Nickelmetall und schwerlösliche Nickelverbindungen bzw. 0,05 mg/m³ für Nickel in Form einatembarer Tröpfchen. Ein EKA-Wert wurde bisher lediglich für ausschließlich inhalative Belastungen mit Nickelmetall und schwerlöslichen Nickelverbindungen aufgestellt. Bei einer äußeren Belastung im Bereich des TRK-Wertes von 500 µg/m³ ist demnach eine innere Belastung von 45 µg Nickel pro Liter Urin zu erwarten. Dieser Zusammenhang ist allerdings nicht anwendbar bei Vorliegen von leichtlöslichen Nickelverbindungen wie z.B. Nickelsulfat, sowie bei oraler und dermaler Aufnahme.

Auch ohne beruflichen Umgang nimmt die Allgemeinbevölkerung vor allem über Nahrungsmittel, weniger über Trinkwasser und Aussenluft Nickel bzw. Nickelverbindungen auf. Bei Nichtrauchern überwiegt die orale Aufnahme, während bei Rauchern die inhalative Aufnahme von Nickelverbindungen aus dem Tabakrauch bedeutsam sein kann. In der Stellungnahme der Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes zur Nickel-Belastung (UBA-HBM-Ni) liegt der Referenzwert für umweltbedingte Belastung bei 3 µg Nickel pro Liter Urin, wie aus einer Vielzahl von Untersuchungen abgeleitet werden konnte. Eine beruflich bzw. durch hohen Tabakkonsum bedingte höhere inhalative Exposition mit Nickel und seinen Verbindungen kann daher an der erhöhten Ausscheidung von Nickel im Urin unter Überschreitung des Referenzwertes erkannt werden.

Weiterführende Informationen:
- GefStoffV: Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen - GefStoffV - Gefahrstoffverordnung, Neufassung vom 15. November 1999, BGBl. I 1999 S. 2233; 2000 S. 739, 747, 932, 1045; 4.7.2002 S. 2514 02; 6.8.2002 S. 3082; 13.8.2002 S. 3185; 15.8.2002 S. 3302; vorherige Änderungen zur Information 1999: BGBl. I S. 50
TRGS: Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS);
Online im Internet: http://www.baua.de/prax/ags/trgs.htm
- TRGS 710: Technische Regeln für Gefahrstoffe - TRGS 710 - Biomonitoring, Ausgabe Februar 2000, BArbBl. 2/2000 S. 60; Online im Internet: http://www.baua.de/prax/ags/trgs710.htm
- TRGS 903: Technische Regeln für Gefahrstoffe - TRGS 903 - BAT-Werte - Ausgabe: April 2001, BArbBl. 4/2001 S. 53; 5/2002 S. 115; Online im Internet: http://www.baua.de/prax/ags/trgs903.htm
- BAuA: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA); Internet: http://www.baua.de
Praxishilfen: http://www.baua.de/prax
- DFG-Senat: Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG); Internet: http://www.dfg.de/organisation/gremien/mak.html
- DFG-MAK: Deutsche Forschungsgemeinschaft, MAK- und BAT-Werte-Liste 2002 - Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte, Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe, Mitteilung 38, WILEY-VCH Verlag, Weinheim, 2002; ISBN 3-527-27511-8
- UBA-HBM-Ni: Bekanntmachung des Umweltbundesamtes - Nickel - Stellungnahme der Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes; veröffentlicht in: Bundesgesundhbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 44 (2001/12) 1243-1248

Stand: 22.10.02


Dialognummer: 1151

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.