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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeitsplätze > Telearbeit, Homeoffice
Stichworte: Muss der Arbeitgeber bei Telearbeit eine Gefährdungsbeurteilung vor Ort durchführen?

Frage:

Grundsätzlich besteht in unserem Betrieb Einigkeit darüber, dass der Arbeitgeber seiner Verantwortlichkeit zur Durchführung des gesetzlich normierten Arbeitsschutzes bei der Gefährdungsbeurteilung nur dadurch nachkommt, dass die Gefährdungsbeurteilung - hier bei Telearbeit - durch ihn (oder von ihm beauftragte fachkundige Personen) vor Ort am häuslichen Arbeitsplatz erfolgt.
Dennoch glaubt der Arbeitgeber, dass er durch Ausgabe einer Checkliste ("Anforderungen an die häusliche Arbeitsstätte/Arbeitsplatzbeurteilung") an betroffene Arbeitnehmer - die diese selbständig ausfüllen und unterzeichnen - sowie durch zusätzlich entsprechende Unterweisungen und Schulungen (ein Mal pro Jahr im Betrieb) eine Gefährdungsbeurteilung vor Ort am häuslichen Arbeitsplatz nicht durchführen muss.
Ist dies zulässig?

Antwort :

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in Verbindung mit der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) findet auf Homeoffice bzw. Telearbeitsplätze voll Anwendung. Es ist auch dort Arbeitgeberpflicht für geeignete und sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Der Arbeitgeber ist nach § 3 ArbschG verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er muss auch die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen treffen, um den arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Hierzu muss in der Regel ein Zutrittsrecht des Arbeitgebers und ggf. beauftragter Personen (Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Datenschutzbeaftragter) in die private Wohnung des Mitarbeiters vereinbart werden.

Die Beschäftigten sind nach § 15 ArbschG verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen. D.h. die Mitarbeiter sind verpflichtet, die für sie zutreffenden arbeitsschutzrelevanten Anforderungen bei ihrem Arbeitsplatz, zu beachten und zu gewährleisten.

Der Arbeitgeber muss eigenverantwortlich entscheiden, ob für die Gefährdungsbeurteilung den jeweiligen Telearbeitsplatz aufsucht oder ob für die Beurteilung der Telearbeit ausreichende Unterlagen vorliegen wie z.B. Bauzeichnung, Ausstattungsliste, u.s.w..
Anmerkung: Auch Unterweisungen müssen grundsätzlich arbeitsplatzbezogen während der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber oder durch von ihm beauftragte Personen erfolgen. Es besteht aber keine Anforderung, Unterweisungen zwingend am Arbeitsplatz vorzunehmen.

Weitere Informationen zu der Thematik können auch dem Leitfaden Telearbeit, http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=12200.html entnommen werden.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.


Dialognummer: 11282
Stand: 15.06.2012

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