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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen
Stichworte: Ist es erlaubt, dass eine Frau im Schweißbereich eingesetzt wird?

Frage:

Vor ewigen Zeiten hatte ein Kollege einmal einen Schweißlehrgang besucht. Dort hieß es, weibliche Heranwachsende und Frauen, die noch im gebärfähigen Alter sind, dürfen nicht in Bereichen mit Schweißarbeiten eingesetzt werden.
Die Eierstöcke der Frau könnten dauerhaft geschädigt werden und somit würde das Ei bei der Befruchtung mit geschädigtem Erbgut zu einem Kind heranwachsen. Mit allen möglichen Folgen der Schädigung.
Frage: ist es in Deutschland erlaubt, dass eine Frau im Schweißbereich eingesetzt wird?

Antwort :

Unter Kapitel 2.26 (vormals VBG 15) "Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren" der BGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln sind  Beschäftigungsbeschränkungen und Anforderungen bei Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren genannt.

3.2 Beschäftigungsbeschränkungen

3.2.1 Unternehmer darf mit schweißtechnischen Arbeiten nur Versicherte beschäftigen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und mit den Einrichtungen und Verfahren vertraut sind.

3.2.2 Abweichend von Abschnitt 3.2.1 dürfen Jugendliche beschäftigt werden, soweit

1.dies zur Erreichung ihres Ausbildungszieles erforderlich ist,
2.ihr Schutz durch einen Aufsichtführenden gewährleistet ist
und
3.der Luftgrenzwert bei gesundheitsgefährlichen Stoffen unterschritten ist.
Aufsichtführender ist, wer die Durchführung von Arbeiten zu überwachen und für die arbeitssichere Ausführung zu sorgen hat. Er muss hierfür ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen besitzen sowie weisungsbefugt sein.
Siehe auch § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz.

3.2.3 Abweichend von Abschnitt 3.2.2 darf der Unternehmer Jugendliche mit folgenden schweißtechnischen Arbeiten nicht beschäftigen:

•Arbeiten in engen Räumen nach Abschnitt 3.7,
•Arbeiten in Bereichen mit Brand- und Explosionsgefahr nach Abschnitt 3.8,
•Arbeiten an Behältern mit gefährlichem Inhalt nach Abschnitt 3.9.

3.3 Schutzeinrichtungen gegen optische Strahlung

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass

•Arbeitsplätze zum Lichtbogenschweißen so eingerichtet sind, dass unbeteiligte Versicherte gegen schädliche Einwirkung optischer Strahlung auf Augen und Haut geschützt sind,
•Raumbegrenzungen und Abschirmungen so beschaffen sind, dass Reflexion und Durchlässigkeit optischer Strahlung weitgehend vermieden werden,
•zur Beobachtung des Lichtbogens oder der Brennerflamme dienende Sichtfenster mit Schweißerschutzfiltern geeigneter Schutzstufe ausgerüstet sind,
•zum Schutz der Versicherten je nach Verfahren und Arbeitsbedingungen geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung stehen.

Spezielle Anforderungen für Frauen im gebärfähigen Alter werden nicht genannt.

Werden aber werdende oder stillende Mütter beschäftigt, gilt folgendes:

Jeder Arbeitgeber ist gemäß Mutterschutzgesetz - MuSchG und Mutterschutzarbeitsverordnung - MuSchArbV verpflichtet, den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.
Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss. Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende oder stillende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung.
Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden oder stillenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:

1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes

2. Arbeitsplatzwechsel

3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter und die übrigen Beschäftigten über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.

Informationen zur Gefährdungsbeurteilung sind z.B. hier erhältlich: http://www.bezreg-muenster.nrw.de/startseite/abteilungen/abteilung5/Dez_55_56_Arbeitsschutz/Fachaufgaben/Mutterschutz/index.html

Zudem hat der Arbeitgeber nach Bekanntgabe der Schwangerschaft unverzüglich die zuständige Aufsichtsbehörde zu benachrichtigen und eine Schwangerschaftsanzeige vorzunehmen. Hier kann er zugleich weitere Informationen und Hilfestellungen zur Arbeitsplatzgestaltung erhalten (siehe auch http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/index.php
).

In der BGI 746 "Umgang mit thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden beim Wolfram-Inertgasschweißen (WIG)"  wird auf folgendes hingewiesen:

Für den anzeigepflichtigen Umgang mit thorierten Wolframelektroden gilt:
Sobald eine Frau den Arbeitgeber informiert, dass sie schwanger ist oder stillt, müssen die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass eine Inkorporation ausgeschlossen ist.

Anmerkung:
Dies kommt zwangsläufig einem Verbot des Umgangs mit thorierten Elektroden gleich, da dies anders nicht zu gewährleisten ist.

Informativ ist in diesem Zusammenhang auch das Merkblatt "Werdende und stillende Mütter bei Weichlötarbeiten", mit dem Hinweise u.a. bezüglich des Umgangs mit Gefahrstoffen gegeben werden.


Dialognummer: 11013
Stand: 20.06.2012

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