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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen
Stichworte: Welche ergonomischen Gesichtspunkte sind bei manueller Ein- und Auslagerung in Regale zu berücksichtigen?

Frage:

Im Rahmen eines internen Präventionsprogramms beschäftigen wir uns mit Regalen (Fachbodenregalen) und der Ergometrie bei der Ein- und Auslagerung von Hand ohne technische Hilfsmittel. Dabei handelt es sich nicht um regelmäßige Tätigkeiten, sondern um eher seltene/wenige Vorgänge.
Insbesondere beschäftigen uns folgende Fragen:
Wie hoch sind die maximal möglichen/sinnvollen Gewichte für eine Ein- bzw. Auslagerung in bzw. über Kopfhöhe?
Wie sieht die optimale Körperhaltung und Handhaltung bei unterschiedlichen Einlagerungshöhen aus?
Wie kann man bei der Regal-Einlagerung schweren Materials zu zweit Hand- und Körperhaltung optimieren?

Antwort :

Die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen zum Ein -und Auslagern von Teilen ist u. a. abhängig von der Art der Arbeitsanforderung. Wird beim Ein- und Auslagern eine hohe Anforderung an die visuelle Kontrolle sowie eine feinmotorische Koordination gefordert, muss die Arbeitshöhe höher sein als bei geringer Anforderung an die visuelle Kontrolle beim Ein- und Auslagern der Lagerteile. Ebenso ist die Arbeitshöhe niedriger anzusetzen, wenn eine hohe Bewegungsfreiheit der Arme erforderlich ist, weil z. B. ein erhöhter Kraftaufwand zur Bewegung des Lagerteils erforderlich ist. Ebenso ist die Höhe abhängig von der Höhe des Lagerteils und dem jeweiligen Angriffspunkt am Lagerteil.
Bei den angesprochenen Tätigkeiten sollte darauf geachtet werden, dass beim Heben entsprechender Lasten der Rumpf möglichst immer senkrecht gehalten wird und die Griffbewegungen sich im optimalen Greifraum abspielen. Als Grundregel gilt: die Körperhaltung sollte aufrecht sein, die Oberarme senkrecht nach unten zeigen. Zwischen Unterarm und Oberarm sollte sich ein rechter Winkel oder größer ausbilden und die Kopf- und Blickneigung sollten zusammen 30 bis 35° betragen (vergleiche Kapitel 3 der BGI 523 "Mensch und Arbeitsplatz" und BGI 5048 "Ergonomische  Maschinengestaltung";
www.dguv.de/publikationen).
Dabei spielt natürlich die unterschiedliche Größe der Beschäftigten sowie das Geschlecht z. B. hinsichtlich des zumutbaren Gewichtes eine wesentliche Rolle. Bei der Bemessung von Steharbeitplätzen sind die anthropometrisch ermittelten Körpermaße zu berücksichtigen. Dabei bestehen für Männer und Frauen unterschiedliche Werte. Richtwerte für Arbeitshöhen in Abhängigkeit von den Arbeitsanforderungen können u. a. der Norm DIN 33406 entnommen werden (
www.beuth.de).
Weiterhin sollte bei den angesprochenen Tätigkeiten auf eine Überkopftätigkeit ganz verzichtet werden, z. B. durch Höheneinschränkung, vernünftige Anleiterung etc. Zusätzlich ist beim körpergerechten Heben von Lasten darauf zu achten:
- Eine Last nie ruckartig heben
- Beim Anheben/Absetzen einer Last die Wirbelsäule nicht verdrehen
- Lasten stets körpernah heben
- Schwere Lasten sollten aus einer Höhe von 50 bis 80 Zentimetern angehoben werden
- das Anheben von schweren Lasten sollte aus der Hocke, mit durchgestrecktem Rücken und aufgerichtetem Körper, erfolgen
- Lieber mehrmals kleine Lasten heben.

Siehe auch die Lernmodule zur ergonomischen Gestaltung der Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN). Bezüglich der Thematik sollten auch die zuständige Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsarzt angesprochen werden.
Die Ermittlung einer Belastung durch Hebevorgänge erfolgt z. B. mit der
Leitmerkmalmethode. Anhand der dort genannten Kriterien der Leitmerkmalmethode, speziell zur Körperhaltung und Ausführungsbedingung lassen sich im Umkehrschluss verbesserte Arbeitsbedingungen ableiten. Die Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten, LV 9 ist im Internet abrufbar beim Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik. Die sog. Leitmerkmalmethode ist in der Anlage zur Publikation enthalten. Eine softwaregestütze Version der Methode stellt das Institut ASER e.V. zur Verfügung.
Sinnvolle Beurteilungs - und Präventionsmaßnahmen, sowie Literaturangaben sind in dem BGIA-Report "Fachgespräch Ergonomie 2004" von 4/2005, u. a. die RULA-Methode (Rapid Upper Limb Assesment), in dem Schwerpunktmäßig die oberen Extremitäten - Oberarm, Unterarm und Handhaltungen - bewertet werden, enthalten (
www.dguv.de - Webcode: d6256). Vergleiche auch den BGIA-Report 2/2007 "Muskel-Skelett-Erkrankungen der oberen Extremitäten und berufliche Tätigkeit".
Für die Unterweisung oder Schulung von Beschäftigten lassen sich die Seminarunterlagen der Initiative Neue Qualität der Arbeit - inqa, hier zum Rückenkompass (
www.rueckenkompass.de) nutzen.



Dialognummer: 10903
Stand: 29.04.2010

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