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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter
Stichworte: Mutterschutz, Lötarbeiten - Gefährdungen durch Blei

Frage:

Ich bin im dritten Monat schwanger. Meine Firma stellt in Kleinserien Potentiometer in Handarbeit her. Dabei wird auch sehr viel gelötet. Leider existiert keine Absauganlage oder ähnliches. Die einzige Belüftung sind Fenster, welche mittels Zeitschaltuhr geöffnet bzw. geschlossen werden. Seit mehreren Wochen funktioniert auch dieses nicht mehr!
Nun meine Frage: Schadet das Blei aus dem Lötzinn meinem Kind? Und wird das Blei über die Haut, die Atemluft oder sonst vom Körper aufgenommen? Meine Ärztin sagt, daß ich nur bei ausreichender Belüftung löten darf. Mein AG hat mich zwar von Lötarbeiten abgezogen, aber was ist mit meinen Kollegen in unmittelbarer Nähe zu mir? Leider gibt es auch keine eindeutige Stellungnahme vom Amt für Arbeitsschutz.

Antwort :

Nach § 2 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) ist der Arbeitgeber verpflichtet nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft unverzüglich eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Falls sich aus dieser Beurteilung Gefahren für die schwangere oder stillende Arbeitnehmerin und ihr Kind ergeben, ist nach § 3 Mutterschutzverordnung (MuSchArbV) zu handeln.

Die Einsatzmöglichkeiten schwangerer oder stillender Arbeitnehmerinnen ergeben sich aus dieser Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der generellen Beschäftigungsverbote. So z. B. dürfen Schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen nicht mit Stoffen und Erzeugnissen arbeiten oder denen ausgesetzt sein (Expositionsverbot) die, die folgenden Gefahrenbezeichnungen tragen:

R40: Irreversibler Schaden möglich
R45: Kann Krebs verursachen
R46: Kann vererbbare Schäden verursachen
R49: Kann beim Einatmen Krebs erzeugen
R61: Kann das Kind im Mutterleib schädigen
R63: Kann das Kind im Mutterleib schädigen
R64: Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen

Beim Weichlöten wird beispielsweise mit Cadmium, Blei und seinen Verbindungen sowie mit anorganischen Zinnverbindungen und Flussmitteln umgegangen. Blei und seine Verbindungen haben eine Frucht schädigende Wirkung und sind relativ giftig, sie können über die Lunge und den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden.

Nicht beschäftigt werden dürfen gebärfähige Arbeitnehmerinnen beim Umgang mit Gefahrstoffen, die Blei oder Quecksilberalkyle enthalten, wenn der Grenzwert überschritten wird.

Staub und Dämpfe führen zur Reizung der Augen, Atemwege sowie der Haut. Akute Vergiftungen sind sehr selten, da größere Mengen Blei sehr langsam und schlecht resorbiert werden. Das Einatmen von Bleistäuben kann zu Erbrechen, Koliken und zu einem Kreislaufversagen führen. Eine langfristige Aufnahme kleiner Mengen von Blei kann zur chronischen Vergiftung führen mit Schädigung der Fortpflanzungsorgane, Blutbildung, Nieren und Nerven. Es besteht die Gefahr der kumulativen Wirkung, das Blei lagert sich in den Knochen ein. Allerdings ist der Temperaturbereich beim Weichlöten so niedrig, dass eine nennenswerte Belastung der Luft nicht zustande kommt. Sofern eine funktionstüchtige Absaugung vorhanden ist und genutzt wird, können von Schwangeren im Regelfall Lötarbeiten durchgeführt werden. Die Einbeziehung der Betriebsärztin bzw. des Betriebsarztes ist zu empfehlen.

Werdende Mütter dürfen Krebs erzeugenden, Frucht schädigenden oder Erbgut verändernden Stoffen überhaupt nicht ausgesetzt sein. Ansonsten ist eine Beschäftigung stillender Mütter nur dann möglich, wenn sichergestellt ist, dass der geltende Gefahrstoff-Grenzwert nicht überschritten ist.
Zuständig für die Überwachung der Durchführung der gesetzlichen Mutterschutzvorschriften sind die Bezirksregierungen. Eine Überprüfung kann erst nach einer Schwangerschaftsmeldung durch den Arbeitgeber an dieses Amt erfolgen. Bei weiteren Fragen können Sie sich bei dem zuständigen Amt für Arbeitsschutz beraten lassen. Weitere nützliche Informationen finden Sie in verschiedenen Faltblättern zum Mutterschutz, die auf der Internetseite (http://www.arbeitsschutz.nrw.de). kostenlos erhältlich sind. 

 (Stand: 13.05.2002)


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