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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch Stäube
Stichworte: Mögliche Luftbelastung durch Dämmmaterial aus Glas- oder Steinwolle

Frage:

Wir haben bei Umbaumaßnahmen festgestellt, dass die Holzwände der beiden Stirnwände eines Raumes mit Glas- oder Steinwolle gedämmt sind. Dieses Material scheint vermutlich noch aus den 70er Jahren zu stammen. Die Holzverkleidung ist unten und oben offen, so dass durch die Klimaanlage im Unterboden (Rechenzentrum) ständig ein Luftzug durch das Dämmmaterial streicht. Dadurch könnten kleinste Partikel durch die obere Öffnung in die Atemluft gelangen. Kann eine Dauerbelastung zu Gesundheitsschäden führen?

Antwort :

Bei den künstlichen Mineralfasern muss man bei einem Einbaudatum in den 70er Jahren davon ausgehen, dass es sich hierbei (Einstufung zumindest nach deutschem Recht) um krebserzeugende Fasern der Kategorie 2 handelt. Kategorie 2 bedeutet, dass es hinreichende Anhaltspunkte für eine begründete Annahme gibt, dass die Exposition eines Menschen gegenüber den Fasern Krebs erzeugen kann. Die Annahme beruht dabei auf Langzeit-Tierversuchen oder sonstigen relevanten Informationen. Eine besondere Gefährdung besteht für Mitarbeiter, die offen mit diesem Material umgehen z.B. bei Umbau- oder Sanierungsarbeiten. Hierzu gibt es eindeutige Arbeitsschutzvorschriften (TRGS 521 Faserstäube).
In dem vorliegenden Fall handelt es sich um einen passiven Umgang, d.h. die Mineralwolle wird weder bearbeitet noch entfernt, die Beschäftigten sind aber den Faserstäuben ausgesetzt. Wie bei allen krebserzeugenden Gefahrstoffen ist nicht auszuschließen, dass bei einer Dauerbelastung durch die Faserstäube gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen können. Allerdings gibt es für krebserzeugende Stoffe grundsätzlich keinen Grenzwert, der eine Gesundheitsgefahr ausschließt. Darüber hinaus steigt das Gesundheitsrisiko natürlich mit der Höhe der Exposition. Die Höhe der Exposition ist nicht abschätzbar, da diese von vielen Faktoren wie Stärke der Luftströmung, Zustand der Fasern, Bindemittel, Lüftungsverhalt u.a. abhängig ist. Zum heutigen Zeitpunkt muss eingebautes Fasermaterial mit offenem Kontakt zu der Umgebungsluft als nicht mehr dem "Stand der Technik" entsprechend eingestuft werden.
Gemäss § 3 Abs. 1 Nr. 1 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist der Arbeitgeber verpflichtet, “... die Arbeitsstätte nach dieser Verordnung, den sonst geltenden Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften und nach den allgemein anerkannten sicherheitstechnischen, arbeitsmedizinischen und hygienischen Regeln sowie den sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen einzurichten und zu betreiben ...”.
Da von den Mineralfasern eine gesundheitliche Gefährdung für die Beschäftigten ausgehen kann, besteht für den Arbeitgeber ein Handlungsbedarf.
Der Arbeitgeber muss in der Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation nach §§ 5/6 Arbeitsschutzgesetz die Situation betrachten und beurteilen. Nach durchgeführter Beurteilung ist festzulegen, welche konkreten Arbeitsschutzmaßnahmen durchzuführen sind, wie z.B. Entfernung der Mineralwolle oder ausreichende Abschottung der Mineralwolle zum Arbeitsplatz (verschließen der offenen Holzverkleidung).
Eine generelle Verpflichtung zum Austausch der Fasermatten besteht nicht.

Stand 04.10. 2003




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